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Die Einheit der Gegensätze

Mit ihren zwischen exotischem Charme und puristischer Formgebung changierenden Möbeln bringen Nipa Doshi und Jonathan Levien nicht nur eine neue Optik in die Einrichtungswelt, sondern verleihen ihr auch Individualität.

Ganz persönlich wird auch ihre Installation „Das Haus – Interiors on Stage“, das die beiden jungen Designer aktuell für die nächste imm cologne planen. „Einige Stücke sind mehr Nipa, andere mehr ich“. Dieser Satz von Jonathan Levien bringt die Arbeit des jungen Designerpaares wohl am besten auf den Punkt. Fast noch ein Geheimtipp, machte das 2000 gegründete Büro in den letzten Jahren durch genauso originelle wie „tragbare“ Möbel, Töpfe und Schuhe auf sich aufmerksam: oftmals ungewohnt farbenfrohe „kulturelle Hybriden“ mit emotionalem Appeal, die die Designwelt erregen. Zu ihren Kunden zählen Moroso, Cappellini, Tefal, Richard Lampert, Glass und Authentics.

Rocker, Richard Lampert - Gewinner Interior Innovation Award 2011

Der lässig-elegant gekleidete Brite – Typ moderner Gentleman – führt uns durch das Studio im ersten Stock eines alten Lagerhauses im Londoner Kreativ-Viertel Shoreditch, ein ehemaliges Maler-Atelier, wie die auf dem Boden belassenen Farbklekse verraten. Auch heute wird hier unverkennbar gearbeitet. Fünf Arbeitsplätze kämpfen hier um ihren Platz zwischen rohen Ziegelmauern, Mustertischen, Vitrinen und Regalen, die sorgfältig inszenierte Designobjekte beherbergen, vor allem aber alltägliche Fundstücke und Mitbringsel von den Reisen des Designerehepaares: Plastik-Eisbecher, Stoffmuster, kunstvoll drapierte Kleider, Schuhe, Faltobjekte, indische Lotas aus Messing, Verpackungen aus Hongkong… und überall Prototypen und Zeichnungen.

Nipa Doshi, Jahrgang `71, geboren in Bombay (heute Mumbai) und aufgewachsen in Neu-Delhi, studierte am National Institute of Design in Ahmedabad – einer indischen Oase der Funktionalität. Während sie an Entwürfen von Toastern oder Kaffeemaschinen in Braun-Ästhetik arbeitete, kochten die Menschen draußen auf den Straßen ihren Tee auf offener Flamme. Diese ästhetische Kluft reizt bis heute Nipa Doshis kreative Energie. Nach einem zweiten Abschluss am Londoner Royal College of Art, wo sie auch Jonathan Levien kennen lernte, ging sie deshalb zunächst wieder nach Indien, um dort gemeinsam mit Kunsthandwerkern einheimischen Produkten einen zeitgenössischen Ausdruck zu geben. Die Idee, die unterschiedlichen Kulturen miteinander zu verbinden, entstand bereits in dieser Zeit. Dabei hat Jonathan, Jahrgang `72, ein viel funktionaleres Verständnis von Design. Nach einer Schreinerausbildung studierte er Design am Bucks College in High Wycombe (Buckinghamshire), machte seinen MA in Möbeldesign am Royal College of Art und arbeitete anschließend drei Jahre lang im Designstudio von Ross Lovegrove. Der Gegensatz, der ihn prägte, war der zwischen Handwerk und Automation. Bis heute baut er die Prototypen ihrer Entwürfe selbst.

Paper Planes

In der Installation „Das Haus – Interiors on Stage“ geht es um Identität und darum, dem Design ein Gesicht zu verleihen, die Wohnung zu einem Ausdruck der Persönlichkeit zu machen. Doshi Levien bauen eine Wohnung mitten auf der Messe imm cologne, inmitten von Pure Village – nach eigenen Plänen und Vorstellungen, mit ihren eigenen Möbeln, mit Lieblingsstücken anderer Marken und dem einen oder anderen Prototyp aus ihrem Studio. Natürlich wird auch ihr für Glass entwickeltes modulares Dampfbad Ananda eine zentrale Rolle spielen. Es dürfte spannend werden zu sehen, welche Vision das Designerpaar von zeitgemäßem Wohnen nach individuellem Zuschnitt hat. Wie viel Transparenz werden sie zulassen, wie viel Intimität werden sie schaffen, wie viel werden sie von sich verraten?