13.–19.01.2020 Für alle: 17.–19.01.2020

#immcologne
Passagen/Hallen 3-11

100 Jahre Bauhaus – work in Progress

Mit 100 Jahren Bauhaus verbindet sich die einmalige Wirkungsdynamik einer Ausnahme-Institution, die Ausbildungs- und Experimentierstätte, Campus und Produktionsgemeinschaft war. Heute würde man von einer Denkfabrik sprechen, wobei am Bauhaus gleichzeitig gelehrt und geschaffen wurde. Gegensätzliche Auffassungen der in Weimar 1919 berufenen Lehrerpersönlichkeiten führten zu schnell zu Diskussionen und immer wieder zum Richtungsstreit, welcher das Bauhaus bis zu seiner Schließung 1933 begleiten sollte.

Und doch war es bereits 1930 eine Marke. Damals schrieb Ernst Kállai:

„Heute weiß jeder Bescheid. Wohnungen mit viel Glas und Metallglanz: Bauhausstil. Desgleichen mit Wohnhygiene ohne Wohnstimmung: Bauhausstil. Stahlrohrgerippe: Bauhausstil. Gewürfelte Tapeten: Bauhausstil. Kein Bild an der Wand: Bauhausstil. Bild an der Wand, aber was soll es bedeuten: Bauhausstil. Drucksache mit fetten Balken und Grotesklettern: Bauhausstil. Alles kleingeschrieben: Bauhausstil ALLES GROSSGESPROCHEN: BAUHAUSSTIL.

Dabei betonte der ungarische Publizist zu Recht, das Bauhaus sei vor allem eine „propagandistisch außerordentlich wirksame“ Versuchsstätte und Ort einer nicht akademischen Lehre für Gestalter einer modernen Welt. Dafür warb man in der eigenen Bauhaus-Zeitschrift, in der Studierende über ihre Erfahrungen berichteten. Heute sprechen wir von Evaluierung. Damals war man nicht nur damit der Zeit weit voraus, denn man propagierte u. a. konsequent die technische Form und „Kunst, die nicht an der Technik stirbt“ (Zitat: Georg Muche).

Bauhaus-Skizze

Das Bauhaus ist die Grundlage unserer heutigen Designwelt: früh fokussiert auf das Entwickeln innovative Konzepte und Arbeitsprozesse, welche wir mit „work in Progress“ umschreiben. So endet die Geschichte des Bauhaus auch nicht im Jahr 1933, sondern setzt sich fort, da dessen Lehrer und Schüler ihre Arbeit weltweit voran brachten. Die damit verbundene Wirkungsdynamik hat wohl dazu beigetragen, dass viele Ansätze des Bauhauses auch heute noch hochaktuell sind.

Was macht etwa die zeitlose Modernität einer von Wilhelm Wagenfeld 1924 gestalteten Glasleuchte aus und warum erscheinen uns Stühle, die vor fast 90 Jahren von Marcel Breuer entworfen wurden, nach wie vor geeignet, uns in unserem Alltag sinnvoll zu begleiten? Unternehmen wie Knoll, Technolumen, Tecta und Thonet zeigen hier mit bewährten Produktbeispielen, wie selbstverständlich das Bauhaus auch 2019 noch Teil einer modernen Einrichtungswelt ist.

Die Ausstellung zeigt darüber hinaus, dass der 1907 gemeinsam von Herstellern und Gestaltern gegründet Deutsche Werkbund dafür den Boden bereitete. Als Werkbund-Aktivist der frühesten Zeit war der Bauhaus-Gründer Walter Gropius schließlich ein Garant für die Bestrebungen des DWB, die Qualität der „gewerblichen Wirtschaft“ durch interdisziplinäres Schaffen zu steigern.

Dass man nach 1945 gerade auch in Köln sich der Bedeutung dieser progressiven Kräfte bewusst war, zeigt die Veranstaltung der richtungsweisenden Werkbundausstellung, die 1949 im provisorisch wiederhergestellten Staatenhaus der Koelnmesse stattfand. Unsere aktuelle Sonderschau erinnert an diese international beachtete Ausstellung, auf der bereits die zweite Generation von Bauhaus-Schülern erfolgreich ihre Arbeiten vorlegten.

© Dr. Thomas Schriefers, Köln, 10.11.2018

Im Rahmen der Veranstaltung The Stage (Halle 3.1), werden sich folgende Vorträge mit dem Thema Bauhaus beschäftigen:

Montag, 14.01.2019

11:30-12:00 Uhr

Veranstaltung: Das Bauhaus als Marke?

Redner: Dr. Thomas Schriefers

12:15-12:45 Uhr

Veranstaltung: Vom Bauhaus beflügelt. Menschen und Ideen an der Hochschule für Gestaltung Ulm

Redner: Christiane Wachsmann | Hochschule für Gestaltung Ulm

15:30-16:00 Uhr

Veranstaltung: Bauhaus zwischen damals und heute

Redner: Philipp Thonet | Thonet

Freitag, 18.01.2019

11:30-12:00 Uhr

Veranstaltung: I AM A CHAIR - Werkbund, Bauhaus und die Zukunft des Sitzens

Redner: Dr. Thomas Schriefers

12:15-12:45 Uhr

Veranstaltung: Bauhausfrauen: Marianne Brandt, Wegbereiterin des Produktdesigns

Redner: Anne-Kathrin Weise | Weimarer Verlagsgesellschaft

13:00-13:45 Uhr

Veranstaltung: Törten - Kriminalgeschichten aus einer Bauhaus-Siedlung

Redner: Prof. Dr.-Ing. Natascha Meuser | Dom Publishers