13.–19.01.2020 Für alle: 17.–19.01.2020

#immcologne

"Bei unserer Vorstellung von Wohnen dreht sich alles um Stimmung"

Eigentlich sind Sie ja erst seit ein paar Jahren in Europa. Doch ihre Arbeiten sind beeindruckend. Schon wurden die australischen Designer Kate und Joel Booy, die 2014 in Rotterdam ihr Studio Truly Truly gründeten, von der internationalen Einrichtungsmesse imm cologne eingeladen, der Einrichtungswelt ihre persönliche Vision zeitgenössischer Wohnkultur zu zeigen. „Living by Mood“ nennen die Guests of Honor der imm cologne ihren Entwurf für Das Haus2019. Die 180 qm große Simulation eines Wohnhauses in den Kölner Messehallen zeigt ihre persönliche Vision zeitgenössischen Wohnens: ein Haus fast ohne Innenwände, mit vier ineinander übergehenden Zonen „Reclusive“, „Serene“, „Active“ und „Reclining“. Für ein Wohnen, das flexibel genug ist, die sich verändernden Lebensrhythmen mitzumachen und sich den Bedürfnissen seiner Bewohner anzupassen, und gleichzeitig ein inspirierender Raum für ein Miteinander jenseits der von Hektik und Routine.

Ihr Entwurf für Das Haus soll ein Platz für „wissbegieriges Design“ werden, sagen Sie. Sind Sie denn so neugierig?
Joel: Als Designer, ja. Unser Ansatz ist der eines Forschers. Bei unseren Entwürfen gehen wir oft von einem Material oder von einer Materialeigenschaft aus, ohne genau zu wissen, wohin oder zu welcher Form es uns am Ende bringt. Auch Das Haus ist für uns vor allem ein Raum, in dem wir Fragen zu Themen des häuslichen Lebens stellen können.

Was war für Sie das Spannendste an dem Projekt?
Joel: Schon, von der imm cologne als Produktdesigner zu einem solchen Projekt eingeladen zu werden war eine Herausforderung – schließlich sind wir ja keine Architekten. Wir haben uns gefragt: Wenn es ein Produkt wäre, wie würden wir damit umgehen? Letztlich sind wir das Projekt angegangen, wie wir alles angehen: einen Schritt zurücktreten und die Sache aus einer Perspektive betrachten, von wo aus alles möglich ist.“

Und? War es eine lohnende Aufgabe?
Kate: Ja, hat es. Wir mussten uns intensiv mit der Frage beschäftigen, wie wir leben wollen, was wir von einem Zuhause erwarten. Dadurch, dass wir unser Design in Beziehung zu einem Raum stellen konnten, den wir selbst bestimmen, sehen wir auch unsere Produkte wieder in einem anderen Licht.
Joel: Es ist eine schöne Erfahrung, Raum und Möbel zusammen gestalten zu können, sich zu überlegen, wie das Sofa aussehen könnte, das zu dem Haus passt – wie in einem Gesamtkunstwerk. Das war die reine Freude.

Und wie sieht Das Haus aus, wenn Sie es gestaltet haben wie ein Produkt?
Joel: Es macht schon von außen neugierig. Wir legen großen Wert auf Texturen und Farben. Das Haus hat ein sehr charakteristisches Äußeres, wobei die teils geschlossene, teils geöffnete Außenfront textil ist und einladend wirken soll.

Dabei ist der Vorhang aber ganz plan und intransparent. In seinen konstruktiven Elementen und in seiner Flächigkeit erinnert der Haus-Entwurf fast ein bisschen an den Rietveld-Stuhl …
Joel: Nun ja, ich bin ein großer Fan von Rietvelds Technik. Aber wir lassen uns vor allem von einem Material oder von Naturkräften inspirieren. Wir wollen etwas von der in diesen Dingen liegenden Schönheit kommunizieren und dann mit der Funktion zu verbinden. In der Natur teilt sich die Schönheit eines Sonnenuntergangs ganz von allein mit, aber im Design muss man sie erst herausarbeiten. Die Art der Aufhängung von unserer Leuchte Levity haben wir zum Beispiel so gewählt, dass die Flexibilität des verwendeten Materials erfahrbar wird, nämlich durch Einwirkung der Schwerkraft.
Kate: Unser Ziel ist es immer, die Schönheit eines Materials sichtbar zu machen – etwa durch den Kontrast mit anderen Materialien oder indem wir für einen interessanten Lichteinfall sorgen, bestimmte Eigenschaften hervorheben. Das ist eine Frage der Balance. Wir wollen die Neugierde auf ein Material wecken. Und Das Haus soll neugierig auf mögliche Umgebungen zum Wohnen machen.

Wie wollen Sie das erreichen?
Joel: die Räume sind weder in ihrer Begrenzung noch in ihrer Funktion ganz festgelegt. Auch die Möbel sind manchmal mehrdeutig: Sie legen sich weder von ihrer Form noch von ihrer Position her fest, in welche „Welt“ sie gehören – sind es Arbeitstools, gehören sie zur Küche oder schon zur Sitzecke, von welcher Seite setzt man sich darauf …?
Kate: Das Haus steckt einen Rahmen für Interpretation. Wenn man den Raum betritt, wird man sich vielleicht überlegen, wie man ihn auf unterschiedliche Weise nutzen könnte – je nachdem, in welcher Stimmung man ist und was man tun möchte. Auch die Platzierung und die Kombination der Möbel ist mehrdeutig. An dem großen Esstisch zum Beispiel werden wir bewusst nur ein paar Stühle platzieren, von denen einige vielleicht Bürostühle sind. So lässt der Tisch Raum für spontane, vielseitige Aktionen.
Joel: Auch unsere Küche in Das Haus sieht nicht aus wie eine klassische Küche – weder in Bezug auf die einzelnen Module noch auf die Materialien: eine Kombination aus Edelstahl mit Hochglanz-Fliesen. Die Bank, die zur „Reclining“- Zone überleitet, in der man sich entspannt „zurücklehnen“ kann, ist ein etwas niedrigeres Sitzmöbel, da sie aber aus denselben Materialien wie die Küchenelemente besteht, bildet sie einen Rückbezug auf die Küche. Betrachtet man es als abstrakte Struktur, geht alles ineinander über, ist Teil eines größeren Textes, der in seinen Mehrdeutigkeiten und Querbezügen gelesen werden will.

Im Mittelpunkt steht die Küche. Warum?
Joel: Die Küche bildet das Herz unseres Hauses. Die Küche sollte unserer Meinung nach kein separater, auf eine einzige Funktion festgelegter Raum sein. Wir kochen gerne zusammen, und die Küche sollte ein attraktiver Ort sein, an dem sich alle treffen und auf vielerlei Art Zeit verbringen können.
Kate: Ein Raum zum Genießen, in dem es nicht um Effizienz geht, sondern um Zusammensein.

Wenn es nicht die Funktion ist, die den Raum und seine Nutzung bestimmt, was ist es dann?
Joel: Die Stimmung. Wir haben emotionale Räume gestaltet. Als Erstes haben wir diesen grünen Rückzugsraum entworfen – er ist relativ klein, beschreibt von oben gesehen eine strenge grafische Form und ist von ganz aus Pflanzen gebildeten Wänden begrenzt.
Kate: Das Entscheidende sind dabei die visuellen Anhaltspunkte: Sie erlauben Eindrücke, lassen aber nicht alles erkennen. Das weckt Neugierde: Man möchte sehen, was da drinnen noch so ist, wie es sich anfühlt, sich dort hinten einmal hinzusetzen ...

Indem Sie die Wände durch Vorhänge und textile Raumteiler ersetzen, gestalten Sie in Das Haus ein fast durchgehend offenes Wohnformat. Ist das die Zukunft?
Kate: Auch wenn wir selbst eine offene Wohnung haben, erwarten wir jetzt nicht, dass die Menschen in Zukunft genauso leben werden wie in unserer Vorstellung vom Wohnen in Das Haus. Aber wir haben einige interessante Ideen untersucht, die darin Form annehmen.
Joel: Wir sehen, dass die Auflösung der Grenzen zwischen privat und öffentlich, Freizeit und Arbeit, Intimität und Geselligkeit auch in der Wohnung zu neuen Formen führt. Unsere Vorstellung vom Wohnen ist viel organischer, fließender. Wohnen, Arbeiten, Schlafen und Abhängen sind nicht streng getrennt. Potenziell ist alles überall möglich, und Ort und Aktivität werden je nach Stimmung ausgesucht.

Wie soll die Stimmung transportiert werden?
Kate: Farben, Materialien und Licht sind wichtig.

Ihr Design steht in dem Ruf, oft auf der Grenze zwischen Kunst und Design zu agieren …
Joel: Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von funktionalem Design, mit dem Ziel, ihm etwas Besonderes zu verleihen. Dadurch kommen wir manchmal zu Ergebnissen, die so neu sind, dass sie als künstlerisch wahrgenommen werden, weil die Menschen es noch nie zuvor gesehen haben. Das ist die Linie, die wir bewusst vorsichtig verfolgen. Natürlich ist Kunst auch Teil unseres Lebens, und das stellen wir durch die Aufnahme von Kunst in "Das Haus" auch dar.

Wie wichtig sind Ihnen Materialien in Das Haus?
Joel: Material und Struktur sind in Das Haus eng verknüpft. Unser Ziel war eine starke Vereinfachung, und daher gibt es auch nur drei Materialien: die Pflanzen, die Wände und der Vorhang. Wir haben verschiedene Materialien und Texturen durch das gesamte Interieur hindurch ausbalanciert, um bestimmte Atmosphären und Stimmungen zu schaffen.
Kate: Der Vorhang, den wir mit Kvadrat zusammen realisieren, bildet nicht nur die Außenwand und die Fenster-artigen Ausschnitte, er drückt in Farbe und Muster auch das Wohnkonzept aus, das wir für Das Haus umsetzen. Die Textur ist sehr warm und fühlbar, und das Camouflage-ähnliche Muster bildet die Vielgestaltigkeit ab, die Raum und Möbel charakterisiert.

Er zeigt eine Art Camouflage-Muster. Soll es etwas verschleiern?
Joel: In diesem Fall benutzen wir Camouflage für mehr als nur eine Verschleierungstaktik. Unser Gehirn interpretiert die Uneindeutigkeit des Musters als Vielzahl von Möglichkeiten. Das Auge sieht Dinge hinein. Alles ist überall gleichzeitig, geht organisch ineinander über. Damit ist der Vorhang so etwas wie ein Symbol für das, was wir mit unserem Wohnkonzept ausdrücken: Wir verwischen die Grenzen.
Kate: Unsere Art zu wohnen und zu leben verändert sich gerade. Die Menschen sitzen nicht einfach mehr gegenüber dem Fernseher; die Menschen nutzen den Raum in ihren Wohnungen anders als früher. In unserem Das Haus haben wir die Räume so gestaltet, dass sie für die Interpretation durch die Bewohner offen sind.
Joel: Wir würden gerne einen Raum zum Langsamer-Werden schaffen – als eine Art Gegengewicht zu dem schnellen Tempo des Lebens und dem Druck von außen, der jenseits des Zuhauses herrscht. Da die Technologie in vielen Bereichen unseres Lebens immer effizienter wird, begrüßen wir die Idee eines Lebensraums, der dazu einlädt, in einen langsameren Gang zu schalten und in einem anderen Rhythmus zu laufen.
Kate: Wir mögen die Idee von einem Haus, das einem das Gefühl vermittelt, sich Zeit nehmen zu können, um die vielen alltäglichen Aktivitäten des häuslichen Lebens zu genießen – Kochen, Lesen, die Pflege der Pflanzen. Das Leben draußen ist von Hektik und Effizienzdenken geprägt – Das Haus entwirft dazu einen Gegenpol.
Joel: Wir arbeiten doch heute überall. Du kannst dich mit deinem Laptop an den Tisch, auf die Bank oder aufs Sofa setzen … Es geht nicht nur um die Multifunktionalität des Raums, es geht vor allem um die Stimmung, die in den Räumen angeboten wird.

Als Sie Das Haus für die imm cologne 2019 gestaltet haben, haben Sie sich da auch die Unterschiede zwischen der Wohnkultur in Europa und in Ihrer ursprünglichen Heimat Australien bewusst gemacht?
Kate: Während Europa aus vielen kleinen, individuellen Ländern mit einzigartigen Traditionen und Charakteren besteht, ist Australien ein großes, junges Land mit ziemlich einheitlicher Kultur, das aber sehr offen ist für Einflüsse aus aller Welt.
Joel: In Australien ist vor allem der Maßstab ein völlig anderer. Nicht nur in Bezug auf die Wohnung, sondern auch auf die Entfernungen, mit denen man lebt. Hier ist alles sehr nah und mit dem Fahrrad erreichbar, man kommt überall hin. In Australien ist jeder Weg mit Aufwand und Zeit verbunden, sodass bestimmte Dinge einfach weniger spontan sind.
Kate: Der Rhythmus ist anders, und die Häuser sind natürlich größer. Wegen des Klimas hält man sich typischerweise mehr im Freien auf, und es ist normal, einen Garten hinterm Haus zu haben, in dem die Kinder kicken können. Ich persönlich mag die Intimität des europäischen Lebensstils sehr, weil man direkten Zugang zu den vielfältigsten kulturellen Dingen hat – das ist wunderbar!

Und warum Rotterdam?
Kate: Das hat sich nach dem Studium in Eindhoven so ergeben. Rotterdam ist eine coole Stadt, sehr zeitgenössisch. Wir haben uns hier direkt wohl gefühlt – die moderne Architektur, die multikulturellen Einflüsse, das alles erinnert uns an Australien.

Koelnmesse – Global Competence in Furniture, Interiors and Design: Die Koelnmesse ist der internationale Top-Messeveranstalter für die Themen Einrichten, Wohnen und Leben. Am Messeplatz Köln zählen die Leitmesse imm cologne sowie die Messeformate LivingKitchen, ORGATEC, spoga+gafa, interzum und Kind + Jugend zu etablierten Branchentreffpunkten von Weltrang. Diese Messen bilden umfassend die Segmente Polster- und Kastenmöbel, Küchen, Büromöbel, Outdoor-Living sowie die Innovationen der Möbelzulieferindustrie ab. Das Portfolio hat die Koelnmesse in den vergangenen Jahren gezielt um internationale Messen in den wichtigsten Boom-Märkten der Welt ergänzt. Dazu zählen die CIKB in Shanghai, die interzum guangzhou in Guangzhou und die Pueri Expo in Sao Paulo. Mit ambista, dem Internetportal des Netzwerks der Einrichtungsbranche, bietet die Koelnmesse ganzjährig direkten Zugang zu relevanten Produkten, Kontakten, Kompetenzen und Events.

Weitere Infos: www.global-competence.net/interiors/
Weitere Infos zu ambista: www.ambista.com

Die nächsten Veranstaltungen:
idd shanghai - , Shanghai 22.11. - 24.11.2018
LivingKitchen® - Das internationale Küchenevent
(Publikumstage Freitag, Samstag und Sonntag), Köln 14.01. - 20.01.2019
imm cologne - THE INTERIOR BUSINESS EVENT
(Publikumstage Freitag, Samstag und Sonntag), Köln 14.01. - 20.01.2019


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