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Immobilien und Inspiration

Wie Home Staging Emotionen vermittelt

Damit das Bauchgefühl stimmt: Abseits von Preis und Lage spielen Emotionen bei Neuvermietungen oder Immobilienkäufen eine entscheidende Rolle. Damit sich Interessenten schnell wohl fühlen, setzen Makler in den USA seit Jahren auf Home Staging, dem professionellen Einrichten leerer Räume. Diese Entwicklung erobert zunehmend auch den europäischen Markt.

Home Staging mit Leihmöbeln

Foto: Paula Schmidt auf Pexels

Home Staging: Das steckt hinter dem Trend aus den USA

Gefühle sind bei Immobilien ein wichtigstes Kaufargument. Die Wirkung bei der ersten Besichtigung kann da schon entscheiden. Doch bei leeren Häusern oder Wohnungen fehlt es vielen Interessenten an Vorstellungskraft, wie daraus ein wohnliches Zuhause werden soll. Immobilienmakler in den USA präsentieren ihre Objekte daher oft fertig eingerichtet. Statt trockener Theorie und Quadratmeterangaben wird mittels „Home Staging“ ein stimmungsvolles Raumgefühl simuliert – das Zuhause wortwörtlich als Bühne inszeniert.

Die Vorteile sind offensichtlich: Nach dem Staging einer Wohnung wird diese deutlich schneller verkauft oder vermietet als eine unmöblierte Immobilie. Der Branchenverband DGHR , die Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign e.V., geht davon aus, dass sich eingerichtete Objekte bis zu 50 Prozent schneller verkaufen als leere.

Ein weiterer Vorteil ist die Preisentwicklung: Eine professionelle Einrichtung verspricht Wertigkeit und erzielt in der Regel höhere Preise am Markt. Der berühmte erste Eindruck ist und bleibt ein Gefühl – und mit einer passenden, hochwertigen Inszenierung wird genau dieses beim Kunden gezielt angesprochen.

Staging einer Wohnung mit professioneller Einrichtung

Home Stager setzen eine Immobilie professionell eingerichtet in Szene und vermitteln dem künftigen Käufer bereits ein Wohngefühl. Foto: Sidekix Media auf Unsplash

Die 5 Varianten des Home Stagings

Der Aufwand beim Home Staging hängt vom Objekt ab. Die folgenden fünf Varianten sind dabei die typischsten Vorgehensweisen.

  1. Bei einer bewohnten Immobilie wäre ein Austausch der Einrichtung zu kostenintensiv. Zum Mindeststandard gehört jedoch eine gründliche Reinigung und ein professionelles Aufräumen. Statt vollgestellter Zimmer lassen offene Fläche und neutrale Wände dem Kunden die Möglichkeit, sich in Gedanken selbst einzurichten. Auch ein gepflegter Garten und Eingangsbereich ist eine wichtige Voraussetzung, um einen positiven ersten Eindruck zu hinterlassen.
  2. Leere Immobilien können mit Möbel-Nachbildungen wohnlich gestaltet werden. Besonders Küchen oder Einbauschränke sind als Attrappe beliebt, doch selbst Sofas oder Tische aus Pappe helfen bei der Vorstellungskraft besser als jeder Zollstock. Sie zeigen schnell, ob das Bett in die Ecke passt und wie viel Platz ein großer Esstisch tatsächlich im Zimmer einnimmt. Für die Makler sind die Kosten der Nachbildungen außerdem überschaubar und damit auch für günstigere Immobilien umsetzbar.
  3. Hochwertige Objekte kommen dagegen nicht ohne Leihmöbel aus. Auch ein eigener Bestand von Einrichtungsgegenständen und Dekoration kann für große Immobilienfirmen nützlich sein, um verschiedene Objekte einzurichten. Professionelle Home Stager finden dabei den Mittelweg zwischen inspirierender Stilwelten und Freiraum für die individuelle Vorstellungskraft. Denn einerseits sollten die Möbel ein Lebensgefühl vermitteln, das zum Objekt und Kundenkreis passt. Ein exklusiver Neubau ist anders eingerichtet als ein Industrie-Loft oder ein rustikaler Altbau. Andererseits lassen neutrale Farben und Dekorationsobjekte genug Freiraum für die Vorlieben der Interessenten. Ist eine Immobilie zu extravagant eingerichtet, kann es einen negativen Effekt haben und Kunden abschrecken.
  4. Internationales Klientel und Wohnen auf Zeit sind in Zeiten der erhöhten Mobilität immer häufiger nachgefragt. Einige Makler haben daher fertig möblierte Immobilien im Portfolio. Oft wird in Zusammenarbeit mit Möbelhändlern und professionellen Interior Designern die Einrichtung punktgenau auf das Objekt angepasst und gemeinsam vermietet oder verkauft. Das spart dem Kunden Zeit und beschleunigt den Umzug.
  5. Beim Digital Staging entstehen die Wohnwelten im virtuellen Raum. Dabei werden Fotos oder Videos der leeren Objekte mit detailgetreuen 3D-Möbeln maßstabsgerecht ausgestattet. So kann selbst in renovierungsbedürftigen Räumen das Ergebnis von Modernisierungen visualisiert werden. Architekten füllen auf diese Weise schon den Rohbau digital mit Leben – vergleichsweise kostengünstig und ganz ohne aufwändiges Möbelschleppen. Die Zahl der Anbieter wächst und macht das Digital Staging auch hierzulande zu einer kundenfreundlichen Alternative.

Chancen für die Möbelbranche in der Praxis des Home Staging

Für die Einrichtungsbranche offenbart das Home Staging ebenfalls spannende Möglichkeiten. In den USA sind Kooperationen zwischen Möbelhändlern und Home Stagern gängige Praxis, ob auf Leihbasis oder als Kommissionsgeschäft. Im Gegenzug lassen sich Musterhäuser und Wohnungen als externer Showroom für Händler oder Inneneinrichter nutzen, in dem die Möbel abseits der Ladenfläche in Szene gesetzt werden. Von der Wandfarbe über die Beleuchtung bis zum fertigen Einrichtungskonzept kann in solchen Umgebungen eine reale Wohnatmosphäre geschaffen werden. Nicht zuletzt für Marketing und Fotoproduktionen der eigenen Designs bietet die Brücke zwischen Handel und Home Staging spannende Potentiale.

Das Themenfeld zeigt: Einrichtung muss Emotionen vermitteln. Vor allem in den digitalen Kanälen ist das eine entscheidende Komponente und ein starker Kaufanreiz. So könnte in Zukunft auch die Videoberatung im Vertrieb von Home oder Digital Staging profitieren.