Köln: 04.–07.06.2023 #immcologne

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Von Upcycling bis Ökostrom

Nachhaltige Ladeneinrichtung ist im Kommen

Was bisher vor allem mit Bio- oder Secondhandläden verbunden wurde, ist jetzt branchenübergreifend nachgefragt: eine Ladeneinrichtung, die nachhaltig, ressourcenschonend und trotzdem massentauglich ist. Innovative Designs, Konzepte und Materialien sollen dabei helfen, den Innenausbau sicht- und messbar klimaschonend zu gestalten. Wie das konkret aussieht und welche Gestaltungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie hier.

Ladeneinrichtung aus Holz von Markus Loke auf Unsplash

Nachhaltige Rohstoffe als stilvolle Elemente in der Ladeneinrichtung leisten einen Beitrag für das Klima und schaffen innovative Designs im Innenraum. (Foto: Marcus Loke auf Unsplash)

Warum ein nachhaltiges Shop-Konzept wichtig ist

Präsentation ist alles: Die Ladengestaltung spielt eine entscheidende Rolle, um Produkte in Szene zu setzen und Kundschaft anzulocken. Wie in anderen Unternehmensbereichen stellt sich auch hier seit kurzem die Klimafrage. Nicht nur, weil Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend auf Nachhaltigkeit Wert legen. Rohstoffknappheit und strengere gesetzliche Auflagen bewegen immer mehr Unternehmen dazu, ihr Store-Konzept zu überdenken.

Im Englischen Sustainable Retail oder Sustainable Store genannt, gewinnt die nachhaltige Ladeneinrichtung daher enorm an Interesse. Das ist auch folgerichtig. Denn wer Produkte klimaneutral oder aus nachwachsenden Rohstoffen herstellt, sollte sie auch entsprechend „natürlich“ inszenieren. Neben der Lebensmittel- und Modebranche gewinnt das Thema auch in der Einrichtungswelt an Bedeutung. Doch wie lässt sich ein nachhaltiger Laden gestalten? 800

Ladeneinrichtung aus Recycling-Material

Wenn Rohstoffe knapper und Müllberge immer größer werden, bietet die Circular Economy Lösungen:

  • Aus Bauschutt lassen sich hochwertige Terrazzo-Bodenplatten , Mauerziegel und Recyclingbeton herstellen. Eine langlebige, stylische und – insbesondere im Fall von Beton – energieeffiziente Alternative, da das Material Wärme speichert und im Sommer kühlt.
  • Bodenbelag aus PVC oder Vinyl kann ebenfalls recycelt werden. Der Bodenanbieter Tarkett stellt aus altem Vinylboden neuen her – der u.a. für eine IKEA-Filiale als nachhaltiger Bodenbelag verwendet wurde.
  • Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Kleidung auf dem Müll. Die Fasern lassen sich vielfältig recyceln – etwa in Form von Vorhängen, wie sie das Modelabel United Colors of Benetton für seine Umkleidekabinen nutzt. Das dänische Unternehmen kvadrat really stellt aus Textilien und Schuhen sogar Platten her, aus denen stabile Regale, Theken und mehr für ein grünes Shop-Konzept entstehen können.
  • Ob PET-Flaschen, Dübel oder Fischernetze: Kunststoff ist das große Problem unserer Zeit, kann jedoch in Granulat umgewandelt und zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden – zum Beispiel für Möbel, Textilien und Accessoires.

Treppenkomplex aus Beton für ein nachhaltiges Store Konzept von Ricardo Gomez Angel auf Unsplash

Beton als Recycling-Material ist nicht nur ein langlebiger und isolierender Rohstoff für einen sustainable Store, es ist auch besonders energiesparend. (Foto: Ricardo Gomez Angel auf Unsplash)

Nachwachsende Rohstoffe im Sustainable Store

Ein weiterer spannender Lösungsansatz: alternative Materialien im Laden zu verbauen, die schnell nachwachsen oder sogar kompostierbar sind. Beispiele liefern die folgenden Unternehmen:

  • Vaude, ein deutscher Anbieter für Outdoor-Bekleidung, hat für sein Sustainable-Store-Konzept Linoleum aus Leinöl und Naturharz sowie FSC-zertifiziertes, regionales Eschenholz verbaut. Außerdem nutzt Vaude Ökostrom für seine Beleuchtung.
  • Das Naturtextilien-Versandhaus Hess Natur wählte für die Ladeneinrichtung seines ersten Concept-Stores Materialien, die zu 100 % regional und biologisch abbaubar sind – bis hin zum Kassentresen aus Stampflehm.
  • Der Vitra Circle Store zeichnet sich durch eine minimalistische Einrichtung mit Spanplatten aus Altholz aus – und bietet ausschließlich gebrauchte Design-Ausstellungsstücke im Sinne der Kreislaufwirtschaft an.

Nachhaltiger Laden: Tipps und Inspiration

Wie lässt sich also ein nachhaltiges Shop-Konzept umsetzen? Den Grundstein sollte Ihr Sortiment legen. Führen Sie beispielsweise ein klimaneutrales Produkt, können Sie dieses entsprechend inszenieren. Ein weiterer Schritt ist die Nutzung von grünem Strom, etwa mit eigenen Solarpanels auf dem Dach oder Windenergie aus dem Netz.

Beim Material für die Ladeneinrichtung können je nach Budget alternative Baustoffe wie Hanf, schnell nachwachsender Bambus oder recycelter Kunststoff eingesetzt werden. Achten Sie bei der Einrichtung auf eine lange Lebensdauer – vom robusten Bodenbelag, über modulare Systeme bei den Ladenmöbeln bis zur hochwertigen Verarbeitung des Mobiliars. Zudem sollte die Einrichtung nach Möglichkeit recycel- oder kompostierbar sein, also vornehmlich aus schadstoff-freien Naturmaterialien bestehen.

Ein stilvolles, nachhaltiges Ambiente schaffen Sie mit Secondhand-Möbeln, naturinspirierten Designs und Pflanzen – und ob Elektronik, Textilien oder Möbel: Mit einem Rücknahme-Service bieten Sie Ihrer Kundschaft die Möglichkeit, vermeintlichen Abfall für die Wiederverwertung abzugeben.

Nachhaltige Stühle aus Holz vor stilvollem Sichtschutz von Dario Gomez auf Unsplash

Holz, als alternativer Rohstoff in Möbeln verarbeitet, sorgt für ein stilvolles und warmes Ambiente im nachhaltigen Store Konzept. (Foto: Dario Gomez auf Unsplash)

Leitsystem für das grüne Store-Konzept

Bei der Umsetzung sind Einzel- und Großhändler selbstverständlich nicht allein. Immer mehr Designbüros, Beratungsfirmen, Agenturen und Initiativen bieten Expertise und Unterstützung bei der Realisierung eines nachhaltigen Store-Konzepts. Gemeinschaften wie grünergriff richten sich mit ihrem Know-how dabei speziell an die Einrichtungsbranche. Und die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat ein System entwickelt , um Nachhaltigkeit im Innenausbau messbar und massentauglich zu machen. Das auditierte und zertifizierte System vereint 15 Kriterien aus den Bereichen Bauen, Ökologie, Wirtschaft und Soziales, erlaubt also einen ganzheitlichen Blick auf das Thema.

Das Ziel all dieser Initiativen: Vorurteile überwinden und aufzeigen, dass eine nachhaltige, langlebige Ladeneinrichtung diverse Kosten einspart, Kundschaft anlockt, die Mitarbeiterzufriedenheit steigert und – vor allem – umsetzbar ist.

Sustainable Retail als Notwendigkeit

Die Idee vom Sustainable Store mag auf den ersten Blick wie eine Marketing-Maßnahme wirken – und wird von manchen Unternehmen auch so behandelt: Stichwort Greenwashing. Doch eine nachhaltige Ladeneinrichtung ist notwendig. Steigende Energiekosten, knappe Rohstoffe, das veränderte Bewusstsein in der Gesellschaft und die zunehmend sichtbaren Folgen des Klimawandels erfordern ein Umdenken und -lenken. Profitieren sollten davon schlussendlich alle: Unternehmen, Menschen und vor allem die Umwelt. Mit einem klug durchdachten Shop-Konzept können Sie den Weg dorthin ebnen.

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