17.–23.01.2022 #immcologne

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Print the future

Möbel aus dem 3D-Drucker

Was haben Medizintechniker, die Flugzeugindustrie und Bastler im heimischen Hobbykeller gemeinsam? Sie alle nutzen wahrscheinlich schon lange die Möglichkeiten des 3D-Drucks. Die Technik, von der diese und zahlreiche weitere Bereiche bereits profitieren, bietet auch für den Einsatz in der Möbelbranche großes Potenzial.

3D-gedruckte Sessel aus recyceltem Plastik von Sculptur und Print Your City

Stilvolle Eleganz: Frisch aus dem 3D-Drucker (Links: The New Raw/ Print Your City / Pot Plus (photo: S. Tsakiris), rechts: Reform Design Lab)

Eine Technik – unzählige Möglichkeiten

Wenn aus unterschiedlichsten Materialien Schicht für Schicht ein neues Objekt gedruckt wird, nennt man das „additive Fertigung“ – umgangssprachlich auch „3D-Druck“. Im Prinzip ist das nichts Neues. Schon seit den 1980er-Jahren werden die Möglichkeiten des 3D-Drucks erforscht und erweitert.

Doch obwohl die Technologie noch längst nicht am Peak ihrer Entwicklung angekommen ist, bietet der 3D-Druck schon heute beeindruckende Möglichkeiten. Konnte man anfangs nur starre Kleinobjekte drucken, sind es mittlerweile ganze Häuser oder sogar Polster. So lieferte etwa das deutsche Unternehmen Oechsler auf der diesjährigen Interzum, der Weltleitmesse für Möbelfertigung und Innenausbau, spannende Fortschritte beim Versuch, bequeme Sessel zu drucken.

Oechsler verbindet Drucktechnik und Komfort

Bildunterschrift: Polster aus dem 3D-Drucker? Mittlerweile kein Problem mehr. Ob Hocker, Stuhl oder Sessel: Oechsler verbindet Drucktechnik und Komfort. (Fotos: Oechsler)

Auch im Bereich Nachhaltigkeit hat sich in den letzten Jahren einiges getan, denn: Durch präzise Computermodelle lassen sich komplexe Strukturen schaffen, die mit herkömmlichen Verfahren bisher nicht realisierbar waren. Dadurch lassen sich Materialien, Lieferwege und energiefressende Fertigungsprozesse sparen. Darüber hinaus sind individuelle Anpassungen leicht vorzunehmen – ein entscheidender Faktor für das Konsumverhalten.

Individuelles Design auf einen Klick

Wie oft scheitert der Kauf eines Möbelstücks, an dem eigentlich alles perfekt wäre, daran, dass eine kleine kundenspezifische Abänderung schlicht zu aufwändig wäre? Eine Situation, die wahrscheinlich jeder kennt, die aber bald der Vergangenheit angehören könnte. Denn gedruckt wird über ein Computermodell, das mit nur wenigen Klicks individuell angepasst werden kann. Egal ob Textur, Struktur oder Farbverläufe: Mit dem 3D-Druck ist es möglich, ganz einfach und ohne großen Eingriff in Produktionsprozesse auf Kundenwünsche einzugehen.

Sogar bei der Wahl der Materialien gibt es immer mehr Gestaltungsspielraum. Musste sich in der Vergangenheit noch auf verschiedene Kunststoffe, Metalle oder Beton beschränkt werden, erzielt man heute große Fortschritte, mit Holz zu drucken. In einem noch laufenden Untersuchungsprogramm konnten Forscher:innen der TU Dresden und FH Zwickau den Holzgehalt im Material von 40 Prozent auf 90 Prozent erhöhen. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Möbelbranche.

Nachhaltige 3D-Druck-Ideen: Beim Material fängt es an

In Zeiten der populären Netflix-Dokumentation Seaspiriacy, in der es um den Schutz der Meere geht, kommt der wohl interessanteste Ansatz aus Schweden. Das Start-up „Sculptur“ war nicht nur das laut eigener Aussage erste Unternehmen, das zum Herstellen von 3D-Drucken Roboter im großen Stil eingesetzt hat, sondern es ist auch bei der Wahl der Materialien innovativ. So kommen zum Beispiel Kaffeereste eines schwedischen Kaffeeherstellers zum Einsatz – oder auch aus dem Meer geborgenes Fischereiequipment. Daraus hat sich Anfang 2021 sogar eine eigenständige Möbelmarke gegründet: „ Reform Design Lab “. Sculptur liefert die nachhaltigen Materialien, Reform Design Lab die außergewöhnlichen Designideen. So entstehen spannende 3D-gedruckte Möbel wie etwa der Reform Chair .

3D-Druck-Roboters der Reform Chair

3D-Druck und Roboter: klingt wie Zukunft, ist aber schon jetzt Realität. Hier entsteht mithilfe des 3D-Druck-Roboters der Reform Chair. (Foto: Anna Lindblom/Picpeople)

Doch mit diesem Recycling-Ansatz sind Biologe Glenn Mattsing und sein Sculptur-Team nicht alleine: Aus dem Jahresmüll eines Zwei-Personen-Haushalts druckt das nachhaltige Projekt „ Print Your City “ Parkbänke für Amsterdams Innenstadt. Insgesamt wird so pro Bank 50 Kilogramm recycelter Plastikmüll gemeinnützig verarbeitet. Für ein ähnliches Projekt in Thessaloniki recycelte „Print Your City“ sogar 800 Kilogramm für insgesamt zehn Bänke.

Projekte dieser Art sind gute Beispiele dafür, wie die Möbelbranche dank kreativer 3D-Druck-Ideen als Teil einer Kreislaufwirtschaft fungieren und dabei noch Materialkosten einsparen kann.

Die Philosophie hinter Sculptur ist es, 3D-Druck im Großformat – die beste verfügbare Technologie – mit Kreislaufwirtschaft zu verbinden. So wird es möglich, nachhaltige Möbel zu drucken.

Glenn Mattsing
Biologe und CEO von Sculptur

Ein Gedankenspiel: Wie der 3D-Druck die Gesellschaft verändern könnte

Doch da ist in Sachen Nachhaltigkeit noch lange nicht Schluss: Wenn man das Thema 3D konsequenter in die Zukunft denkt, könnte die Technologie sogar unser gesamtes Konsumverhalten verändern. Stichwort: Wegwerfgesellschaft. Oft sind es nämlich nur defekte kleinpreisige Zubehör-Artikel, die dafür sorgen, dass wir ansonsten voll funktionsfähige Dinge wegwerfen. So werden laut einer Prognose der United Nations University in diesem Jahr weltweit 57,4 Tonnen Elektroschrott anfallen.

Eine Masse, die durch den Einsatz von 3D-Druck drastisch reduzierbar wäre. Das bis 2019 vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt „ 3D-Druck & Reparatur “ hat sich genau diesen Ansatz zur Aufgabe gemacht und eine Liste von druckbaren Ersatzteilmodellen zusammengestellt. So können dort bereits die Computervorlagen für Pfeffermühlenknäufe oder Ersatzrollen von Spülmaschinenkörben heruntergeladen werden. Nutzer:innen können aber auch ihre eigenen Vorlagen hochladen und so für andere zur Verfügung stellen. Ein Konzept, das auch für Möbelhersteller interessant werden könnte, die sich als nachhaltige Anbieter positionieren wollen.

Das Interesse daran ist laut einer Studie vom Marktforschungsinstitut OnePoll auf jeden Fall vorhanden: Rund 51 Prozent der Deutschen würden sich demnach gerne einen solchen Drucker zulegen und mehr als die Hälfte (59 Prozent) würden ihren 3D-Drucker für die Gerätereparatur und den Ersatz von Kleinteilen nutzen.

Es bleibt spannend

Auch wenn die Technologie noch nicht voll ausgereift ist, steckt schon heute enormes Potenzial im 3D-Druck – und für die Möbelbranche viel Raum für Kreativität. Ein Trend, der in den nächsten Jahren sicher stark an Bedeutung gewinnen wird.

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