Köln: 04.–07.06.2023 #immcologne

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Bunt, anders und sichtbar

Was inklusives Design der LGBTQIA+ Community heute bedeutet

Eine moderne, demokratische Gesellschaft lebt von Vielfalt. Dennoch finden bestimmte Gruppen nicht immer Gehör – auch in der Architektur- und Designwelt. Einer Umfrage von Queer Design Count zufolge, mussten 40 Prozent der Befragten ihre Kolleginnen und Kollegen schon einmal darauf hinweisen, dass deren Entwürfe die LGBTQIA+ Community ausschlossen. Der Gegenentwurf: inklusives Design. Erfahren Sie, wie das genau aussieht und welche Vorteile es hat!

Diversity Design als Muster im Stuhl von Guillaume De Germain auf Unsplash

Der Farbverlauf in Regenbogenfarben ist nicht nur schön anzusehen, er hat auch eine besondere Botschaft. Doch LGBTQIA+ Design geht noch weit darüber hinaus. (Foto: Guillaume De Germain auf Unsplash)

Warum Inklusivität wichtig ist

Der Begriff LGBTQIA+ umfasst alle Menschen, die sich als „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual oder Asexual“ identifizieren. Obwohl unsere Gesellschaft heute schon viel inklusiver ist, werden viele Menschen nach wie vor diskriminiert.

Wichtig zu wissen ist, dass Diskriminierung häufig unbewusst stattfindet. Meist sind es bewährte Muster, Denkansätze oder unsere Sprache, die bestimmte Menschen ausschließen. Inklusivität bedeutet jedoch auch, alle Menschen mitzudenken. Genau wie eine gendergerechte Sprache kann inklusives Design das Bewusstsein für die LGBTQIA+ Community schärfen – über die Einrichtungswelt hinaus.

Herausforderungen der LGBTQIA+ Community

Einer Studie von PwC, HDE und Google zufolge ist Diversity im Handel noch ausbaufähig. Nur ein Viertel der befragten KMU (kleine und mittlere Unternehmen) hat sich dem Thema bisher gewidmet, bei den Großunternehmen hat ein Drittel erste Schritte unternommen. Und wie steht es um Diversität in der Architektur- und Designwelt? Den Erfahrungsberichten verschiedener Designerinnen und Designer zufolge sind Teams zwar oft divers besetzt, in die Erstellung von Entwürfen fließen ihre Ideen jedoch oft nicht ein. In einer Branche, die von Kreativität und Innovation lebt, überrascht diese (zumindest gefühlte) Diskrepanz.

Ein Grund dafür könnte in der Vermarktung liegen. Designs, die eine breite Masse ansprechen, verkaufen sich in der Regel auch besser. Für Produkte, die zum Beispiel eng mit Symbolen der LGBTQIA+ Community verknüpft sind oder bewährte Konzepte auf den Kopf stellen, ist der Markt entsprechend kleiner – noch.

Beispiele für inklusives Design

Tatsächlich ist inklusives Design kein neues Konzept. Elsie de Wolfe (1865-1950), die erste professionelle Innenarchitektin, war beispielsweise in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung mit der Theater- und Literaturagentin Elisabeth Marbury. Sie galten als lesbisches Power Couple und gehörten zur High Society im New York der 1920er Jahre. Die irische Architektin und Designerin Eileen Gray (1878-1976), bekannt für ihren Dragons Sessel, war bisexuell. Sie war eng mit der lesbischen Kunstszene verbunden und stellte sich mit ihren Designs unter anderem gegen klar definierte Identitäten.

Einige aktuelle Beispiele für inklusives Design kommen aus London, Brooklyn und Los Angeles:

  • 2LG Studio hat 2019 für ercol Sitzbänke im Regenbogen-Design entworfen, die versteigert wurden. Die Erlöse gingen an LGBT-Projekte. Ihre Designs sind organisch, bunt und erinnern an die 1960er Jahre.
  • Sophie Collé arbeitet mit Schnörkeln, Wellen und lauten Neonfarben im Sinne der Splat Ästhetik. Ihre Möbel sind verspielt und versprühen eine Leichtigkeit, wie sie auch in Kinderzimmer-Designs zu finden ist.
  • Isabel Rower verzichtet auf geschlechtsspezifische Attribute. Die organischen Formen und knalligen Farben ihrer Designs scheinen nicht von dieser Welt zu sein.
  • Uzumaki Ceped liebt die Provokation und setzt ihre weiblichen Formen selbstbewusst in Szene. Ihre Arbeiten sind knallbunt und plüschig – von Accessoires über Möbel bis zu den Wänden.

Futuristische Stühle mit Tisch von Davide Cantelli auf Unsplash

Einige Designs der LGBTQIA+ Community sind besonders futuristisch und innovativ. (Foto: Davide Cantelli auf Unsplash)

Was sich mit Design Diversity erreichen lässt

Junge Designerinnen und Designer aus der LGBTQIA+ Community gibt es viele. Ob futuristisch oder im Retro-Stil, bewusst geschlechtsneutral, körperbetont oder verspielt: Ihre Designs spiegeln ihre eigene Erlebnis- und Gefühlswelt wider, richten sich dabei jedoch nicht ausschließlich an diverse Menschen.

Für den Handel birgt inklusives Design daher ein enormes Potenzial, denn mit einem vielfältigen Angebot lassen sich neue Zielgruppen erreichen. Vor allem junge Menschen der Generation Z haben von Nachhaltigkeit bis Diversität ganz andere Ansprüche und Wertvorstellungen. Sie sind die Kaufkraft von morgen und ihre Kaufkriterien gilt es schon jetzt mitzudenken.

Das trifft auch auf die Unternehmen selbst zu. Innovative Ideen und Konzepte werden durch Vielfalt im Unternehmen gefördert, denn jede andere Sichtweise lenkt den Blick auf etwas Neues. Das zahlt sich aus: Laut einer Studie von McKinsey erzielen divers besetzte Unternehmen höhere Gewinne. Darüber hinaus steigen Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung – in Zeiten des Fachkräftemangels ein enorm wichtiger Aspekt.

Inklusion in Zukunft mitdenken

Inklusives Design berücksichtigt die Erlebniswelt und Ideen diverser Menschen, spricht jedoch auch Zielgruppen außerhalb der LGBTQIA+ Community an. Wenn sich Unternehmen und Handel in Zukunft diverser aufstellen, können sie ihren Erfolg langfristig steigern. Inklusivität und Diversity sind Werte, die vor allem bei jungen Menschen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Sie richten ihre Kaufentscheidungen und Karrierepläne auch danach aus, wie divers Unternehmen sind.

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