Köln: 16.–21.01.2023 #immcologne

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Interior-Startups vs. Klimakrise

Wie nachhaltige Geschäftsmodelle die Einrichtungsbranche verändern

Das Umweltbewusstsein wächst weltweit und bringt nachhaltige Startups hervor, die Maßstäbe in der Möbelproduktion setzen. Denn der Wandel ist nicht nur gesellschaftlich geboten, sondern auch wirtschaftlich vielversprechend. Nachhaltige Geschäftsmodelle sind einer der größten Erfolgsfaktoren in der Einrichtungsbranche. Dabei stechen junge Unternehmen heraus, deren Markenkern auf ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit beruht.

Grüne Glühbirne symbolisiert nachhaltige Geschäftsideen

Während das Umweltbewusstsein weltweit wächst, entstehen vermehrt nachhaltige Start-ups in der Einrichtungsbranche, die ihr Geschäftsmodell von Grund auf grün gestalten. (Foto: PIRO4D auf Pixabay)

Möbel nach Maß

Angesichts endlicher Rohstoffe gehört Verschwendung zu einer der größten Herausforderungen unserer Zeit. Massenproduktion kann zwar wirtschaftlich rentabel sein, die Folgekosten für Umwelt und Arbeiter sind darin jedoch nicht einberechnet. Gleichzeitig wird der Wunsch der Kunden nach individueller Einrichtung und Möbeln nach Maß immer größer. Eine Lösung ist die On-Demand-Produktion. Dabei werden beispielsweise Tische und Sideboards erst mit der Bestellung nach persönlichen Vorlieben gefertigt.

Das spart Ressourcen und Lagerplätze bei individuellen Designs, bekämpft Verschwendung effektiv und ermöglicht abwechslungsreiche Arbeitsbedingungen. Im Gegenzug müssen Möbelfans jedoch höhere Preise, einen größeren Aufwand bei der Bestellung und längere Lieferzeiten einkalkulieren. Das bedeutet ein Umdenken im Konsumverhalten, was aber – nachweislich – mit einem individuellen Möbelstück und dem positiven Gefühl belohnt wird, umweltbewusst gehandelt zu haben.

Die Vorreiter auf diesem Gebiet sind nachhaltige Startups wie form.bar . Die Wohnmöbel lassen sich individuell online planen und werden erst auf Bestellung produziert. Die Herstellung übernehmen regionale Schreiner, die das Team mit dem nötigen Material – natürlich FSC-zertifiziert – und Know-how beliefern. Damit deckt das Unternehmen auch die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit ab.

Statistik zur Kundenbindung durch Emotionalisierung

In der obigen Grafik wird die Kundenbindung durch Emotionalisierung in verschiedenen befragten Altersgruppen aufgeschlüsselt. Nachhaltige Unternehmen können von der dadurch steigenden Kundenloyalität profitieren. (Infografik: imm cologne, Icons made by Victoruler from www.flaticon.com)

Flexible Möbel für die Zukunft des Wohnens

In vielen asiatischen Großstädten sind kleine Wohnungen und flexibel genutzte Räume die Folge der Urbanisierung. Dieser Trend wird sich auch bei uns fortsetzen: Flexible Möbel und modulare Wohnsysteme bündeln zahlreiche Anwendungsoptionen in einem Produkt. Von Sofamodulen über verstellbare Tische bis hin zu wandelbaren Regallösungen spart das Platz und Rohstoffe. Eine modulare Couch, die gemeinsam mit der Familie wächst, ist schlicht langlebiger und damit gut für die Umwelt. Gleichzeitig spricht so eine einzelne Produktlinie eine größere Zielgruppe an.

Das Kölner Startup Variand hat im Spätsommer 2021 erfolgreich seine Crowdfunding-Kampagne für ein neues Regalsystem beendet. Je nach gewünschter Nutzung bilden die an der Wand befestigten Schienen das Grundgerüst für zahlreiche Module – von Regalböden über Kleiderhaken bis hin zu Lichtleisten. Das ermöglicht elegant-minimalistischen Stauraum für die Küche, den Flur oder das Wohnzimmer und damit eine spielerische Freiheit bei der persönlichen Einrichtung.

Rohstoffrecycling und Kreislaufwirtschaft

DIY und Recycling in der Einrichtungsbranche sind nichts Neues. Doch junge Startups schöpfen die Möglichkeiten immer besser aus und investieren in die Kreislaufwirtschaft, den Königsweg des Recyclings. Dabei sollen keine neuen Rohstoffe in den Produktionsprozess eingebracht und die Materialien endlos wiederverwendet werden.

Das nachhaltige Unternehmen WYE aus Bayern hat einen eigenen Werkstoff entwickelt, der aus Abfällen der Holzindustrie besteht. Die Sitzbänke, Sideboards und Stühle aus dem sogenannten Neolign werden nach der Nutzung an die Firma zurückgeschickt und dort in neue Produkte verwandelt. Mit dieser Erfindung möchte die Marke dem Trend zur „Fast Furniture“ entgegentreten – was ihr bereits den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021 einbrachte. Und auch das niederländische Design-Studio SMELT bezieht seine Rohstoffe ausschließlich aus Plastikabfällen, die in moderne Terrazzo-Möbel gepresst werden.

Esstisch „|chamfer|“, hergestellt aus Recycling-Werkstoff aus Holzindustrieabfällen von WYE

Das nachhaltige Unternehmen WYE stellt Möbel, wie den Esstisch „|chamfer|“, aus einem Recycling-Werkstoff her, das es aus Holzindustrieabfällen herstellt. (Foto: WYE)

CO2-negative Möbel

Der Ausgleich von CO2 ist heute ein eigener Geschäftszweig. Dabei können Unternehmen und Privatpersonen Klimaprojekte finanziell unterstützen, um verursachtes CO2 zu kompensieren. Deutlich wirkungsvoller sind jedoch CO2-negative Produkte, bei deren Herstellung mehr Kohlenstoffdioxid gebunden wird als dabei entsteht.

Das Unternehmen Made of Air hat auf Basis dieses Konzepts ein Material namens Biochar entwickelt. Der Werkstoff besteht aus Biomassen-Abfall und bindet das darin enthaltene CO2 langfristig und stabil. Dieses neue Material ist vielfältig nutzbar und eine klimafreundliche Alternative für viele Kunststoffe. Von Tischen über Kommoden bis hin zu Küchenutensilien und Dekorationsartikeln bietet sich Biochar auch als flexibel einsetzbares Material für die Einrichtungsbranche an. Selbst Architekten und Bauherren können den CO2-negativen Verbundstoff beispielsweise für Gebäudefassaden oder als Baumaterial nutzen.

Nachhaltige Geschäftsmodelle als neuer Standard

Die globalen Herausforderungen der Klimakrise machen einen Wandel im Konsum- und Produktionsverhalten alternativlos. Während große Konzerne ihre Strukturen langsam umgestalten, gehört Nachhaltigkeit bei vielen Startups zur DNA des Unternehmens. So sind nicht nur Teile eines Produkts, sondern oft die gesamte Produktion von Beginn an auf ökologische Umweltverträglichkeit und soziale Fairness ausgerichtet. Etablierte Marken können von diesen Prinzipien lernen und sich an den Erfolgsgeschichten junger Marken orientieren.

Nach der Digitalisierung ist der Wandel zu nachhaltigen Geschäftsmodellen die zweite große Transformation unserer Zeit. Lesen Sie hier, was die Branche dabei antreibt und inspiriert .

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