13.–19.01.2020 Für alle: 17.–19.01.2020

#immcologne

100 Jahre Bauhaus auf der imm cologne

10.01.2019

Viel Liebe zum Detail: Die Ausstellung 100 Jahre Bauhaus ist kurz vor der Fertigstellung. Foto: Koelnmesse, Thomas Schriefers

Bauhaus gleich Moderne. Das lässt sich ohne Umschweife sagen. Und obwohl wir schon seit Jahrzehnten in postmodernen Zeiten leben, macht die Stilrichtung des Bauhaus ihren Einfluss auf die Architektur und das Möbel-Design auch heute noch geltend. Die imm cologne widmet daher dem Bauhaus anlässlich seines runden Geburtstags in den Passagen zwischen den Hallen 3 und 11 eine eigene Ausstellung mit dem Titel „100 Jahre Bauhaus – work in Progress“.

Verbindung von Kunst und Handwerk

Als eine neue Art von Kunstschule wurde das Staatliche Bauhaus 1919 von dem Architekten Walter Gropius in Weimar gegründet. Neben ihm selbst unterrichteten dort auch Persönlichkeiten des Kunstbetriebs wie Lyonel Feininger, László Moholy-Nagy, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Sie machten die Schule in Thüringen schnell zu einem Treffpunkt der internationalen Avantgarde. Hier sollte durch die Verbindung unterschiedlicher Disziplinen wie Architektur, Kunst und Handwerk eine neue Art zu denken entwickelt werden, die einer humaneren Gesellschaft dienen sollte. In Ablehnung repräsentativer Zierformen ging man bei der Gestaltung eines Objekts von seiner Funktion aus. Schön war, was funktionierte. Effizienz und Nützlichkeit eines Produkts standen im Mittelpunkt. Damit folgte die Lehre des Bauhaus dem Designleitsatz form follows function, der erstmals von dem amerikanischen Architekten und Hauptvertreter der Chicago School, Louis Sullivan, formuliert wurde. Insbesondere fand dieser Leitsatz bei der Produktgestaltung des Bauhaus seinen stärksten Ausdruck und wurde von den Vertretern der Schule als Verzicht auf jegliches Ornament weiterinterpretiert.

Einsatz neuer Werkstoffe und Technologien

Ursprünglich für den deutschen Pavillon zur Weltausstellung 1929 in Barcelona entworfen: der Barcelona Chair von Ludwig Mies van der Rohe. Foto: Knoll International

Stühle wie der erste Freischwinger der Möbelgeschichte von Mart Stam und der Stahlclubsessel B 3 von Marcel Breuer sind ganz im Geiste des Bauhaus geschaffen. Ihre schnörkellose, sachliche Form integrierte sich perfekt in die modernen Gebäude der damaligen Zeit. Der S 43, eine Variante des Freischwingers, der 1931 vorgestellt wurde, kombinierte Stahlrohr-Gestell mit Formholzschalen als Sitzfläche und Rückenlehne und erzielte damit eine absolute Reduktion. Durch den angenehmen Schwingeffekt des Gestells war es zudem möglich, auf eine Polsterung zu verzichten. Seine klare und zurückhaltende Form machte den Freischwinger zu einem exemplarischen Design-Entwurf der Moderne. Und auch der zur Designikone gewordene MR 90 Barcelona-Stuhl von Ludwig Mies van der Rohe, den der Architekt und spätere Direktor des Bauhaus 1929 für den deutschen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona entworfen hatte, entspricht ganz dem von ihm formulierten Leitspruch „Weniger ist mehr“. Der reduzierte Entwurf des Barcelona Chairs, eines modernen Throns, dessen Form sich von dem antiken, scherenförmig zusammenklappbaren Faltstuhl ableitet, integriert traditionelle Handwerkskunst in modernes Möbeldesign.

Geometrische Grundformen als Grundlage der neuen Formgebung

Die Vertreter des Bauhaus hegten eine große Liebe für einfache Geometrien, und seine Schüler beschäftigten sich nicht von ungefähr mit der kubistischen Kunst von Picasso und Gris. Entsprechend der Herangehensweise des Kubismus‘ reduzierten sie Objekte auf ihre grundgeometrischen Formen und verwendeten diese abstrahierten Formen zur Herstellung neuer Produkte. Marianne Brandts Teekanne ist eines der Produkte, die den Formprinzipien des Bauhaus am nächsten kommt. Hier bilden die Grundformen Kreis, Kugel und Quadrat das geometrische Grundschema des Produkts. Formen, die sich auch in der von Christian Dell für Kaiser entworfenen Schreibtischlampe Idell wiederfinden, die ebenfalls zu den modernen Design-Klassikern gehört.

Faszination Bauhaus

Noch ist es nur ein Entwurf: Die Bauhaus-Ausstellung auf der imm cologne 2019. Grafik: Thomas Schriefers

Doch woran liegt es, dass immer noch eine zeitlose Modernität von der beispielsweise 1924 von Wilhelm Wagenfeld gestalteten Glasleuchte ausgeht? Und warum eignen sich Stühle, die vor fast 90 Jahren entworfen wurden, auch heute noch, uns in unserem Alltag sinnvoll zu begleiten? Antworten auf solche Fragen geben Unternehmen wie Technolumen, Tecta, Thonet und Knoll International auf der Bauhaus-Sonderausstellung der imm cologne. Anhand bewährter Produkte wird gezeigt, wie selbstverständlich das Bauhaus auch 2019 noch Teil der modernen Einrichtungswelt ist. Parallel dazu werden mehrere Vorträge auf The Stage, dem Vortragsforum der imm cologne in Halle 3.1, das Thema Bauhaus aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Die Vorträge im Überblick:

  • Das Bauhaus als Marke? Dr. Thomas Schriefers – Montag, 14.1.2019, 11:30 Uhr
  • Vom Bauhaus beflügelt. Menschen und Ideen an der Hochschule für Gestaltung Ulm – Christiane Wachsmann (Hochschule für Gestaltung Ulm) – Montag, 14.1.2019, 12:15 Uhr
  • Bauhaus zwischen damals und heute – Philipp Thonet (Thonet) – Montag, 14.1.2019, 15:30 Uhr
  • I AM A CHAIR - Werkbund, Bauhaus und die Zukunft des Sitzens – Dr. Thomas Schriefers – Freitag, 18.1.2019, 11:30 Uhr
  • Bauhausfrauen: Marianne Brandt, Wegbereiterin des Produktdesigns – Anne-Kathrin Weise – Freitag, 18.1.2019, 12:15 Uhr
  • Törten - Kriminalgeschichten aus einer Bauhaus-Siedlung – Prof. Dr.-Ing. Natascha Meuser – Freitag, 18.1.2019, 13:00 Uhr