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#immcologne

Auf den Spuren des Bauhaus in Köln

05.11.2019

Werkbund und Bauhaus in Köln

Gebäude der Werkbundausstellung 1914 in Köln gestaltet von Walter Gropius. Foto: Koelnmesse

Hätten sich Adenauer und die Eheleute Gropius 1924 geeinigt, hätte Köln vielleicht gute Karten gehabt, die zweite Heimat des Bauhaus zu werden. Angeblich gab es große Bemühungen von Seiten des damaligen Kölner Oberbürgermeisters, das Bauhaus nach Köln zu holen, nachdem sich die Machtverhältnisse nach der Thüringer Landtagswahl im selben Jahr verändert hatten und der Etat für das Bauhaus in Weimar um 50 Prozent gesenkt wurde. Wie bekannt ist, kam es jedoch anders und Dessau wurde die zweite Heimstatt des Bauhaus. Doch in Köln und andernorts passierte vieles, das den Weg für das Bauhaus ebnete.

Der Deutsche Werkbund - Wegbereiter des Bauhaus

Als Vorläufer des Bauhaus gilt der Deutsche Werkbund (DWB). Erst durch ihn wurden Handwerk und Kunst mit der Industrie verbunden. Gegründet wurde er 1907 von jeweils zwölf Architekten und Unternehmern in München, darunter Anna Teut, Lilly Reich, Ludwig Mies van der Rohe, Mia Seeger, Peter Behrens, Richard Rimerschmid, Theodor Heuss, Walter Gropius und Wilhelm Wagenfeld. Ziel des Deutschen Werkbundes war es, deutsche Produkte, sei es Architektur oder Gebrauchsgegenstände, in der Welt begehrenswerter zu machen. Denn, heutzutage kaum vorstellbar, genossen deutsche Produkte zu jener Zeit einen eher schlechten Ruf; wurde doch das „Made in Germany“ 1887 in England als Warnung für billige und schlechte Produkte eingeführt.

Ebenfalls sollte durch eine reformierte, modern-sachliche Gestaltung von industriell gefertigten Produkten, von Architektur und Lebensraum einer zunehmenden Entfremdung entgegengewirkt werden. Unterschiedliche Tätigkeitsbereiche wie Entwurf, Produktion, Vertrieb und Konsum von Waren wollte der DWB mit der Etablierung ethisch fundierter Werte wie Qualität, Materialgerechtigkeit, Funktionalität und Nachhaltigkeit näherbringen. Nicht zuletzt sah der DWB seine Kernaufgabe, neben der Einflussnahme auf ein zeitgemäßes Gestalten von Dingen und Ensembles, in der ästhetischen Bildung.

Die Werkbundausstellung 1914 in Köln

Werkbund und Bauhaus in Köln
Werkbund und Bauhaus in Köln

Das Teehaus auf der Werkbungausstellung von 1914 in Köln, entworfen von Wilhelm Kreis. Foto: Koelnmesse

Briefmarken zur Werkbundausstellung 1914 in Köln. Foto: Koelnmesse

1914 fand die erste Deutsche Werkbundausstellung, eine der größten Ausstellungen der damaligen Zeit, in Köln statt, die jedoch wegen des ersten Weltkriegs vorzeitig beendet wurde. Hier sollte dem internationalen Publikum gezeigt werden, was in Deutschland alles geschaffen wird. So entwarf Henry van de Velde eigens für die Werkbundausstellung ein Theater, Walter Gropius eine Musterfabrik und Bruno Taut das bekannt gewordene Glashaus – ein Reklamebau der Glasindustrie mit expressionistischem Rundbau in Form eines Spargelkopfs. Bei seinem Entwurf ging es Taut um die Einheit von Natur, Kunst und Technik. Mit modernen Materialien wie Beton, Stahl und Glas strebte er danach eine kosmische Harmonie herzustellen.

Gleichzeitig kam es während der Ausstellung zu einer Grundsatzdiskussion über Normung zwischen dem Architekten und Designer Henry van de Velde und Hermann Muthesius, der bis 1916 zweiter Vorsitzender des DWB war. Während van de Velde dabei die Position der individuellen Formgebung vertrat, befürwortete Muthesius die weitreichende Typisierung zur Qualitätshebung. Gleichbedeutend war beiden Richtungen jedoch ein hoher Anspruch an die gestalterische und funktionale Qualität der geschaffenen Gegenstände und Gebäude.

Kulturelles Großereignis und Prestige-Event

Die Werkbundausstellung in Köln öffnete am 15. Mai 1914 ihre Pforten. Ursprünglich bis Oktober geplant, dauerte sie durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs nur drei Monate, lockte in dieser Zeit aber rund eine Million Besucher an. Diese nutzten die Gelegenheit, 80 moderne Wohn- und Industriegebäude auf dem heutigen Gelände der Rheinterrassen und des Tanzbrunnens zu besichtigen – darunter auch die Mustersiedlung „Neues Niederrheinisches Dorf“ und ein Vergnügungspark. Es war eine Ausstellung der Superlative, bei der Designer, Handwerker, Künstler, Industrielle und Architekten erstmals einer breiten Bevölkerungsschicht eine neue Ästhetik vorführten, die prägend für die Kreativszene der nächsten Jahrzehnte werden sollte.

Für die Stadt Köln war dieses kulturelle Jahrhundertereignis von großer Bedeutung. Sie förderte die Ausstellung auf unterschiedlichste Weise mit Personal, Administration und fünf Millionen Reichsmark. Ein Budget, das dem Fünffachen der Brüsseler Weltausstellung vier Jahre zuvor entsprach. Namhafte Förderer und Organisatoren wie der damalige Kölner Oberbürgermeister Max Wallraf, der Hagener Unternehmer, Kunstmäzen und Hauptinitiator Karl Ernst Osthaus, Kölns Baudezernent Carl Rehorst und der stellvertretende Bürgermeister Konrad Adenauer machten sich für die Ausstellung stark und trieben die Arbeiten voran.

Bauhaus als Vorbild der Kölner Werkschulen

Werkbund und Bauhaus in Köln
Werkbund und Bauhaus in Köln

Die Kölner Werkschulen im "roten Haus", einem expressionistischen Backsteinbau in der Kölner Südstadt. Foto: Schulamt der Stadt Köln Abteilung für Berufs- und Fachschulen 1928

Professor Hans Wissel mit Studenten im Atelier der Kölner Werkschulen im Jahr 1928. Foto: Privatarchiv Christian Wissel.

Inzwischen seit neun Jahren Oberbürgermeister, benannte Konrad Adenauer 1926 die traditionsreiche Kunstgewerbeschule in „Kölner Werkschulen“ um und gab ihr eine neue Ausrichtung. Dabei orientierte er sich am Leitbild des Bauhaus, wo Kunst und Handwerk in einer modernen Kunstschule zusammengeführt wurden. Sitz der Kölner Werkschulen war ein expressionistischer, roter Backsteinbau – das Rote Haus – am Ubierring 40 in der Kölner Südstadt, der seinerzeit von dem damaligen Leitenden Direktor der Kunstgewerbeschule, Martin Elsässer, entworfen wurde. Fortan wurde in Köln Architektur, Bildhauerei und Bauplastik, Bühnenbild, Innenarchitektur, Kostümbildnerei, Malerei und Paramentik gelehrt. Später kamen Klassen für freie und angewandte Grafik, „Photographik“ und für künstlerische und technische Formgebung hinzu. Zudem wurde das Kölner Institut für religiöse Kunst angegliedert.

In ihrer Zielsetzung orientierten sich die Kölner Werkschulen an dem Werkbundgedanken und die Verbindung zwischen den Werkschulen und der Industrie wurde gefördert. So entstanden beispielsweise die Deutsche Meisterschale und der Deutsche Fußballpokal sowie das Gehäuse des Volksempfängers und Schrifttypen für Schreibmaschinen als Auftragsarbeiten für Sport und Industrie in den Kölner Werkschulen. Werner Schriefers, Direktor der Kölner Werkschulen von 1965 bis 1971, bestärkte diese Ausrichtung schließlich, indem er mit der Übernahme der Leitung der Kölner Werkschulen den Lehrbereich Industrial Design in das Lehrprogramm integrierte und damit die gute Gestaltung von Industriegütern mit in den Fokus der Ausbildung an den Kölner Werkschulen nahm.

Eingliederung und das Ende der Kölner Werkschulen

1971 wurden die Kölner Werkschulen in die Fachhochschule Köln in den „Fachbereich Kunst und Design“ eingegliedert, der allerdings aufgrund einer kontroversen Neuordnung der Hochschullandschaft durch die NRW-Landesregierung am 31. März 1993 geschlossen wurde.

Unter den Lehrern und Studenten der Kölner Werkschulen und des späteren Fachbereichs der Fachhochschule Köln befanden sich neben den schon genannten namhafte Personen wie der Baumeister Dominikus Böhm, der Bildhauer Hans Wissel, dessen 6 Meter hohe allegorische Plastik von 1928 noch immer den alten Messeturm in Köln-Deutz schmückt, die Maler Jörg Immendorff und Daniel Spoerri sowie der Architekt Richard Riemerschmid. Bekannte Studierende und Absolventen waren unter anderem Rosemarie Trockel, Wolfgang Schulte, Ulrich Rückriem (Bildhauerei), die Fotografen Chargesheimer, L. Fritz Gruber und Candia Höfer sowie der Maler und BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken.