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#immcologne

Ausmisten kann so einfach sein

05.09.2019

Statista.com, YouGov

Grafik: Statista.com, YouGov

Der Trend zu kleinen Wohnungen oder zum neuen Minimalismus verlangt quasi nach einer aufgeräumten Wohnung. Doch wohin mit all unseren Klamotten, Büchern oder Postkarten, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben? Wegwerfen, verschenken oder verkaufen bietet sich da an. Ausmisten also. Und darin sind die Deutschen sehr fleißig.

Ein Blick auf die Zahlen einer Umfrage von Statista und YouGov verdeutlicht das: Nahezu jeder Zehnte mistet mindestens einmal im Monat aus. Mehr als jeder Vierte macht sich ans halbjährliche Ausmisten. Und lediglich ein Prozent der Befragten gab an, gar nicht auszumisten. Dabei scheint sich das Frühjahr eher anzubieten, als der Winter. Denn 24% nehmen den Frühjahrsputz als Anlass, während nur 9% vor Weihnachten ausmisten. Hauptgründe sind Ordnungsliebe (49%), Platzmangel und Neuanschaffungen (jeweils 41%). Eine besondere Methode wenden die meisten (79%) dabei nicht an. Im Folgenden werden wir ein paar Methoden und Tipps vorstellen mit denen wir das Ausmisten systematisch angehen können.

Tempo und Konsequenz

Die KonMarie-Methode

Foto: anaumenko, Adobe Stock

Erstmal noch eine Tasse Tee, dann noch eben die Mails checken und dann noch schnell runter zum Briefkasten. Geht es ans Aufräumen und Ausmisten sind plötzlich 1.000 Dinge wichtiger. Und meist fangen wir dann gar nicht erst an. Dabei sollte Aufräumen zügig passieren. Setzten Sie sich Deadlines und erledigen Sie Aufgabe für Aufgabe konsequent. Und machen Sie ruhig ein Event daraus – erst 20 Minuten konzentriert ausmisten, dann – zur Belohnung – eine Runde Anno 1800 spielen. So kann man sich Stück für Stück den kompletten Haushalt vornehmen.

Weniger ist mehr

Was viele Menschen vom Aufräumen abhält, ist die Scheu vor dem Berg an Arbeit. Und dann machen wir es gar nicht. Dabei reicht es durchaus, wenn wir uns jeden Tag ein paar Minuten vornehmen. Heute den Schreibtisch, morgen das Schränkchen im Flur. Diese Methode empfiehlt sich, wenn wir wieder etwas mehr Grundordnung in unserer Wohnung haben wollen. Beim vollgestopften Kleiderschrank oder dem überquellenden Bücherregal ist das allerdings gar nicht so einfach.

Sortieren nach Kategorie, nicht nach Ort

„Heute mache ich das Schlafzimmer, nächste Woche dann die Küche.“ Nach dieser Methode gehen wohl die meisten von uns vor. Doch das kann genau der falsche Weg sein. Besonders dann, wenn wir Problemfälle einfach von einem ins andere Zimmer schieben. So entsteht ein Teufelskreis, bei dem es uns nicht mehr gelingt, wirklich konsequent auszumisten. Dann bietet es sich an, nicht nach Zimmern aufzuräumen, sondern nach Kategorien. Empfohlen wird dabei folgende Reihenfolge:

Kleider, Bücher, Papiere, Kleinkram, Erinnerungsstücke, Dinge mit hohem emotionalem Wert also. Denn von Kleidung – da sind sich alle Aufräum-Experten sicher – können wir uns am Leichtesten trennen. Ist der erste Trennungsschmerz vorbei, kommen die Medien an die Reihe, also Bücher, CDs, DVDs. Danach folgen Papiere. Rechnungen und Bedienungsanleitungen von Geräten, die wir schon lange nicht mehr besitzen können ebenso weg wie Unterlagen, die älter als 10 Jahre sind. Es folgt der Kleinkram. Hierzu gehört Make-up, Büromaterial oder die Postkartensammlung. Auf diese Weise arbeiten wir uns Schritt für Schritt an das „Trennungsproblem“ Erinnerungsstücke heran. Von Dingen, die einen hohen emotionalen Wert besitzen, können wir uns besonders schwer trennen. Hier sammelt sich von der zerschlissenen Lieblingsbluse bis zum abgewetzten Teddybären aus Kindertagen alles an. Und auch hier gilt: Wir müssen nichts wegwerfen, aber wir können.

Auftürmen und Anfassen

Anfassen und weglegen

Foto: Sarah Brown, unsplash

Nicht zuletzt durch ihre Netflixserie „Aufräumen mit Marie Kondo“ sorgt die japanische „Aufräum-Queen“ auch hierzulande für einen wahren Ordnungshype. In der nach ihr benannten Methode KonMarie empfiehlt sie uns, alle Sachen einer Kategorie aus der ganzen Wohnung auf einem Haufen sammeln. Der Anblick soll uns schockieren. Wir sollen sehen, wie viel Klamotten wir eigentlich haben und wie dringend wir hier ausmisten müssen.

Und dann kann es auch schon losgehen! Wir nehmen jedes Stück in die Hand und fragen uns: Brauche ich das wirklich noch? Dabei heißt es: Hirn ausschalten und auf den Bauch hören. Dann entstehen die nächsten Stapel: Ja, nein, vielleicht. Der Vielleicht-Stapel wird sich dann so lange erneut vorgenommen, bis alles auf die anderen beiden Stapel verteilt ist.

Bringt es Freude?

Wenn wir uns ans Ausmisten machen fragen wir uns ständig: Kann das weg? Drehen Sie den Spieß doch einfach mal um. Fragen Sie sich nicht, ob etwas weg kann, sondern, ob Sie es behalten möchten. Will ich dieses Buch noch(mal) lesen? Ziehe ich das Hemd noch an? Wie fühle ich mich damit? Macht mich das glücklich? Diese Fragen sollen aber nicht nur beim Ausmisten helfen. Stell wir uns diese Fragen, so verspricht Marie Kondo, dass wir uns dabei mit uns selbst auseinandersetzen. Wir hinterfragen uns und die Dinge, mit denen wir in Zukunft „zusammenlebt“ möchten. In der fortgeschrittenen Methode fragt man sich, bevor man etwas Neues kauft, ob man es auch wirklich braucht. So deckt man sich gar nicht erst mit Dingen ein, die man später wieder ausmisten muss.

Jedes Ding hat seinen Platz

Dinge, bei denen wir uns entschlossen haben, sie zu behalten oder die für unseren Alltag notwendig sind, sollten einen festen Platz erhalten. Also nicht wieder zurück in die Schublade, wo wir sie in 10 Jahren wieder hervorkramen. So bleibt alles überschaubar und griffbereit. Und auch bei den Alltagsgegenständen kann die Lust an der Reduktion wachsen. Brauche ich wirklich 30 Kugelschreiber? Funktionieren die überhaupt noch? Dann vielleicht doch lieber nur drei wirklich gute Kulis, als 30 schlechte. Das gilt übrigens auch für Lippenstifte, Blöcke, Scheren oder Schraubendreher.

Wer nicht vernichten will, kann verschenken

Nicht vernichten, sondern verschenken

Foto: Goffkein, Adobe Stock

„Das ist doch noch gut“ ist eines der häufigsten Gegenargumente beim Ausmisten. Es ist natürlich allzu verständlich, wenn wir Liebgewonnenes oder noch Funktionierendes nicht wegwerfen möchten, auch, wenn wir es selbst nicht mehr benötigen. Dabei sollten wir Dinge auch nicht nach ihrem materiellen Wert bemessen. Wer Sachen behält, nur weil sie teuer waren, tut sich keinen Gefallen. Dann lieber verkaufen. Denn Sachen, die ungenutzt im Schrank liegen, steigern auch nicht ihren Wert. Besonders dann nicht, wenn wir sie aufbewahren, um sie irgendwann einmal auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Dann lieber verschenken oder spenden. Immer häufiger stehen Verschenkenkisten am Straßenrand. Außerdem freuen sich Charity-Shops wie Oxfam über Spenden.

Wovon wir uns letztlich nicht trennen, daran sollten wir wirklich emotional hängen. Denn diese Dinge sind allemal mehr wert als ihr Kaufpreis. Egal, was sie gekostet haben. Wer das verinnerlicht, dem fällt es künftig viel leichter, sich von Dingen zu trennen. Und dann schafft er oder sie sich vielleicht auch gar nicht erst so viel an.