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Inside Thonet: Handwerk trifft industrielle Produktion

17.06.2020

imm cologne | Thonet - Handwerk trifft industrielle Produktion

Bis zu 147 einzelner Arbeitschritte sind nötig, bis ein Stuhl fertig ist. Foto: Thonet

Wenn man die Produktionshallen von Thonet im hessischen Frankenberg betritt kann man die traditionelle Herstellungsweise, mit der hier Tische, Stühle und Sessel gefertigt werden, förmlich spüren: überall zischt und dampft es; hört man es hämmern, und der Duft von Holz und Metall liegt in der Luft. Hier wird gearbeitet. Der Faktor Handwerk bleibt bei dem über 200 Jahre alten Unternehmen unersätzlich, auch wenn moderne Fertigungstechnologien mittlerweile längst Einzug erhalten haben und traditionelles Arbeiten ergänzen.

Das liegt auch an der menschlichen Erfahrung, die benötigt wird, um Klassiker wie den Kaffeehausstuhl 214 zu biegen. „Das Holz muss ich beim Biegen spüren“, sagt etwa Armin Ludwig, der in 34 Berufsjahren in Frankenberg Tausenden von Bugholzstühlen ihre unverwechselbare Form gegeben hat.

imm cologne | Thonet - Handwerk trifft industrielle Produktion

Beim Biegen von Massivholz ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Foto: Philipp Thonet

Michael Thonet hat mit seiner Erfindung, Holz mittels Wasserdampf und Muskelkraft in eine Form zu bringen, den Grundstein für das moderne Möbel gelegt. In den 1830er-Jahren experimentierte er zunächst mit in Leim gekochten Furnierstreifen, bis ihm schließlich die Entwicklung der „Möbel aus massiv gebogenem Holz“ gelang. Inzwischen spricht man von Bugholz, wenn massiv gebogenes Holz in der Möbelherstellung eingesetzt wird.

Das Verfahren erfordert hohe Sorgfalt, Eingespieltheit und synchrone Handlungsabläufe. Das Biegen von massivem Buchen- und Eschenholz, das erst für einige Stunden in einem Dampfkessel elastisch gemacht und anschließend in den speziellen Biegeformen fixiert und getrocknet wird, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Zusammenarbeit ist dabei ein essentieller Punkt: So müssen teilweise vier Bieger gemeinsam und gleichzeitig die Rückenlehen des Bugholzsessels 209 biegen.

Stahl und Holz haben ihre Eingenheiten

imm cologne | Thonet - Handwerk trifft industrielle Produktion

Bevor der Stahlrohrstuhl fertig ist, müssen erst mal die Funken fliegen. Foto: Thonet

Aber auch die Herstellung von Stahlrohrmöbeln erfordert genaue Kenntnisse über Materialien und Produktionsverfahren. Denn speziell für Ikonen wie den Freischwinger S 64 von Marcel Breuer aus der Zeit des Bauhaus benötigt man eine besondere Legierung eines federharten Stahlrohrs, um Maßgenauigkeit und Marerialfestigkeit einhalten zu können. Schließlich soll der Schwingeffekt über einen langen Zeitraum erhalten bleiben und nicht im Laufe der Jahre ausleiern. Nachdem die Rohre nach dem Ablängen entgratet und geschliffen wurde erfolgt der Biegevorgang hier in der Regel über eine CNC-gesteuerte Maschine, sogenannte Halbautomaten. Danach wird die Form überprüft, wenn nötig von Hand gerichtet und erneut geschliffen und poliert. Die Oberflächenveredelung erfolgt aus aus Umweltschutzgründen in speziell qualifizierten Betrieben, bevor die Möbel zur Montage von Polstern und der verschiedenen Garnituren aus Holz, Leder, Netzgewebe oder Rohrgeflecht wieder in die eigenen Produktionshallen kommen.

Die Wirtschaftlichkeit der kurzen Wege

imm cologne | Thonet - Handwerk trifft industrielle Produktion

Auf der imm cologne 2019, 65 Jahre nach der ersten Teilnahme, präsentierte Thonet zum 200-jährigen Firmenjubiläum ein spannendes Standkonzept. Foto: Thonet

Doch nicht nur bei der Produktion zählten bei Thonet traditionelle Werte. Weltweite Ereignisse wie die aktuelle Corona-Pandemie führen vor Augen, dass Systeme wir die globalisierte Wirtschaft störanfällig sind, wenn der Transport von Waren eingeschränkt wird. In solchen Momenten rücken Trends der Deglobalisierung und Glokalisierung sowie Rufe nach einer „achtsamen Globalisierung“ verstärkt in den Fokus. Für Thonet sind kurze Lieferketten und eine vertrauensvolle Beziehung zu den Zulieferern, laut Unternehmen, seit 200 Jahren Geschäftspraxis.

So kommt das Stahlrohr aus dem Schwarzwald, das Buchenholz aus heimischen Wäldern und das Leder für die Bezüge aus Süddeutschland und Italien. Die einzige Komponente, die einen längeren Weg zurücklegt, ist das traditionsreiche Wiener Geflecht – die Matten werden aus der Außenhaut der in Indonesien wachsenden Rotangpalme geflochten.

Eine vertrauensvolle Beziehung unterhält Thonet aber nicht nur zu seinen Zulieferern. Auch die Verbindung zur imm cologne ist eine feste Bande. Schließlich ist das Traditionsunternehmen seit 1954 Stammgast auf der Kölner Einrichtungsmesse.