13.–19.01.2020 Für alle: 17.–19.01.2020

#immcologne

Das Ineinander von innen und außen – Das Haus 2020

08.10.2019

Das Modell von Das Haus für die imm cologne 2020

Auf der Pressekonferenz in Valencia stellten MUT Design das Modell von Das Haus 2020 der Öffentlichkeit vor. Rendering: MUT Design, Koelnmesse

Mit der Interpretation von Das Haus durch MUT Design erhält die imm cologne 2020 wieder einen sehr architektonischen Entwurf. Die Spanier präsentieren ein visionäres Wohnkonzept, mit dem das Innere des Hauses nach außen gekehrt wird. Die Entgrenzung von Innenräumen sowie von Innen- und Außenraum öffnet das Wohnen nicht nur zur Natur hin, sondern auch zur Wohngemeinschaft – und darüber hinaus.

Das Haus 2020 erinnert an einen klassischen Pavillon: aus Kreis und Quadrat zusammengefügt, minimalistisch möbliert, nach allen Seiten offen. Ein Beispiel idealer Architektur, wie gemacht für ein Haus inmitten der Albufera. Die Farben dieser atemberaubenden Lagunenlandschaft haben Alberto Sánchez und Eduardo Villalón, die vor zehn Jahren MUT Design gegründet haben, zu den Materialien und Farbharmonien ihrer Wohnvision für die imm cologne 2020 inspiriert. Den Designern aus Valencia gelingt mit ihrem abstrakten Entwurf ein ästhetisch überzeugendes und mit seiner Idee eines hybriden Raums sehr verführerisches Statement für ein Wohnkonzept, das Architektur und Natur, innen und außen, Rückzugsmöglichkeit und Gemeinschaftsleben vereint.

Sehnsuchtsarchitektur als Zukunftsvision

Das Konzept von MUT Design für Das Haus auf der imm cologne 2020

Noch ist es nur ein Konzept. Auf der imm cologne wird es eine begehbare Wohnsimulation sein. Das Haus 2020 by MUT Design. Foto: Roland Breitschuh, Koelnmesse

In die offene Landschaft gesetzt und mit großen Fensterfronten geschlossen wäre Das Haus von MUT Design ein perfektes Feriendomizil. Doch es greift zu kurz, dieses Architekturkonzept auf die Auszeiten vom Alltag zu beschränken. Ein Leben in unmittelbarem Kontakt zu einer möglichst naturnahen Umgebung entspricht einem ganz realen Bedürfnis, das gerade bei Städtern immer stärker wird. Progressive Architektur kommt diesem Bedürfnis mit großen Fensterfronten, lichten Räumen und einem scheinbar grenzenlosen Übergang von Innen- und Außenraum entgegen. MUT Design treiben diese Idee mit ihrer rundum offenen Architektur programmatisch auf die Spitze.

Der kreisrunde Grundriss wird dabei von einer metallisch reflektierenden, quadratischen Ebene gerahmt, die zeichenhaft für eine von Gräsern durchbrochene Wasserfläche steht. Künstliches Licht wird weitestgehend vermieden. Stattdessen strahlt Das Haus aus der Mitte heraus: Der zwischen schräg zulaufenden Wandscheiben im Zentrum platzierte, höhlenartige Rückzugsbereich wird von einer Lichtquelle erhellt, die das im Tagesverlauf wandernde, natürliche Sonnenlicht imitieren soll.

Outdoor Living als Interior Design-Konzept: Innen ist Außen

Das Konzept von MUT Design für Das Haus auf der imm cologne 2020

Eduardo Villalón erklärt das Konzept für Das Haus 2020 by MUT Design. Foto: far.consulting, Koelnmesse

„Leben am Mittelmeer ist gleichbedeutend mit Leben im Freien. Seit jeher haben unsere Häuser immer ein Stück Natur ins Innere integriert“, erläutert MUT Design. Traditionell bildet der beschattete Innenhof das organisatorische Zentrum mediterraner Architektur. Auch das soziale Leben dreht sich um diesen hybriden Raum. Bei ihrem Entwurf haben MUT Design diese Struktur jedoch umgekehrt: Ihr „Haus“ entwickelt sich von innen nach außen. Die Mitte erscheint zwar immer noch als Rückgrat des Hauses und wird von Tageslicht erfüllt, doch die eigentliche Funktion des Innenhofs als integrierter Freiluftraum wurde hier nach außen verlegt. Vielleicht werden Besucher dieser Installation etwas irritiert nach der Grenze zwischen innen und außen suchen – finden werden sie sie nicht.

Der Aufbau von Das Haus scheint auf den Kopf gestellt: Der zentrale Rückzugsbereich, das „Refugium“, ist von vier Veranda-ähnlichen Räumen umgeben: einem Raum zum Entspannen und Ankleiden, einem Aktivitätsbereich, einer Küche und einem Raum für die Körperpflege. „Unsere Intention war es, die Grenzen zwischen innen und außen aufzuweichen“, fasst Alberto Sánchez das Konzept zusammen. Und so haben die Spanier nicht nur ein Stück Natur ins Haus geholt, sondern gleich das eigentliche Wohnen nach außen verlegt. „Ein Badezimmer im Freien hat eine große Faszination“, findet Eduardo Villalón. „Wir können uns vorstellen, dass mit der Erfahrung warmer Sommer nicht nur die Outdoor-Küche populärer wird, sondern auch die Lust steigt, mit Outdoor-Bädern zu experimentieren.“

Hochwertige Outdoor-geeignete Tische, Stühle, Poufs und Teppiche besiedeln die vier sich konkav nach außen öffnenden Räume. Eine Outdoor-Kochstelle bildet die Barbecue-taugliche Küche; anstelle eines Bettes findet sich eine Hängematte in dem zum Relaxen gedachten Raum und der Ankleide- und Hygienebereich ist symbolhaft mit der umgebenden Wasserfläche verbunden.

Architekturkonzept: Entgrenzung des Raums

Guests of Honour von Das Haus 2020: Eduardo Villalón und Alberto Sánchez von MUT Design

Guests of Honour von Das Haus 2020: Eduardo Villalón und Alberto Sánchez von MUT Design. Foto: Koelnmesse

Moderne Architektur versucht nicht nur die Übergänge von innen und außen als fließend zu inszenieren, sie schafft auch fluide, multifunktionale Räume, in denen Möbel ganz unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten übernehmen und Zonen schaffen. Dieses Loft-Konzept sorgt für Großzügigkeit auch in kleineren Einheiten. Zeitgemäßer Wohnraum muss offen sein für individuelle und wechselnde Funktionen.

Im „Haus“ von MUT Design wird diese zukunftsgerichtete Wohnkultur als Experiment durchgespielt, und zwar in Form von halbkreisförmigen Raumabschnitten, die über die Außenseiten miteinander verbunden sind. Alle Bereiche sind offen gestaltet und werden gemeinschaftlich genutzt. Cocooning richtet sich nach innen, Gemeinschaft öffnet sich nach außen. So lässt sich die symbolträchtige Architektur interpretieren. Und so ist auch lediglich der im Zentrum angedeutete Raum durch seine Enge und höhlenähnliche Architektur als separierter Bereich gedacht, der zur Meditation und zum Rückzug genutzt werden kann. “Die Räume sind als einzelne Einheiten gestaltet, gleichzeitig aber weit offen, um ein Gefühl maximaler Fluidität zu erzeugen“, erläutern Alberto Sánchez und Eduardo Villalón.