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Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone

12.03.2020

Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone
Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone

Der Einrichtungsstil ist geprägt von Möbeln, die voll eingebaut sind und damit den Raum optimieren. Illustration: Trendfilter, Koelnmesse

Möbel und Raum verschmelzen ebenso, wie verschiedene Funktionen an multifunktionaler Einrichtung. Illustration: Trendfilter, Koelnmesse

„Urban Living“, die städtische Lebensweise, ist für den Großteil der Menschen das Maß aller Dinge. Für die einen ist es die Verheißung auf ein besseres Leben, für die anderen auf Individualität und Selbstständigkeit. Doch Leben im urbanen Raum ist teuer. Wenn Wohnraum knapper wird, Wohnbereiche ineinanderfließen und Möbel immer häufiger die Wohnzonen definieren, wächst die Bedeutung der Ausstattung.

Es ist wie mit jeder anderen Ressource auch: Wenn Wohnraum knapper wird, muss er effizienter genutzt werden. Wer sich kompakt einrichten will oder muss, hat die Wahl zwischen individuellen Raumsparmöbeln und dem Einzug in ein fertiges, aber immobiles Raummöbel. Nichts anderes ist das im Trend liegende Mikroapartment. Schon die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky erkannte in den 1920er Jahren, dass die Einheit von Raum und Möbel die vielleicht ergonomischste und ökonomischste Art der Einrichtung darstellt. Die Folge war der Siegeszug der so genannten Frankfurter Küche – der Urmutter aller Einbauküchen.

Der derzeitige Boom von Mikroapartments in den Großstädten deutet auf eine Renaissance des möblierten Wohnens hin. Damit sind nicht nur neue Raumkonzepte gefragt, sondern auch neue Designkonzepte für multifunktionale und raumsparende Möbel.

Aus mitteleuropäischer Perspektive ist die Aussicht auf ein Leben in multifunktionalen Wohnzellen wie der des fiktiven Taxifahrers Korben Dallas (Bruce Willis) in „Das fünfte Element“ wohl eher eine Horrorvorstellung. Doch aktuell erfährt das Mikro-Apartment eine Umdeutung – weg vom Image der improvisierten Studentenbude hin zur komfortablen Wohn-Suite: in einfacher, zweckmäßiger Ausstattung für chronisch auf Wohnungssuche befindliche Studenten, in luxuriöser Variante für pendelnde Manager und zeitwohnende Job-Hopper.

Tiny Spaces: Ein Erfolgsmodell auch für Messen

Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone
Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone

Auf den ersten Blick wirkt 'work-dress' wie ein kompakter Kleiderschrank ...

Mit wenigen Handgriffen lässt sich dieser Stauraum jedoch zusätzlich in ein funktionales Minibüro incl. Rollcontainer verwandeln. Illustrationen: Michael Hilgers

Immobilienunternehmen und Projektentwickler haben dieses profitable Geschäftsmodell bereits für sich entdeckt. In vielen Großstädten weltweit sind Vorzeigeprojekte geplant oder bereits entstanden – von erschwinglich bis luxuriös. Für die Ausstattung solcher Apartments mit multifunktionalen und wandelbaren Möbeln sind konstruktive Elemente und Leichtbauelemente von essentieller Bedeutung.

Auch für Messen ist das Thema Urbanisierung von großer Bedeutung. So wurde auf der ZOW 2020 – der Zuliefermesse für Möbelindustrie und Innenausbau in Bad Salzuflen – auf einer Sonderfläche drei Szenarien präsentiert, die Impulse in Sachen Tiny Spaces setzen sollten. Die Ausstellung zeigte neben voll eingebauten Möbeln, die den Raum optimieren und dabei Raum und Möbel verschmelzen lassen auch Ideen für altersgerechtes, barrierefreies Wohnen und Co-Joining-Konzepte.

Dass es nicht immer ein Einbausystem in einem Mikroapartment sein muss, beweist das Kombi-Möbel Work-Dress des Berliner Designers Michael Hilgers: Hierbei verwandelt sich ein anscheinend normaler Kleiderschrank im Handumdrehen in einen komfortablen, ausfahrbaren Arbeitsplatz inklusive Rollcontainer. Der Berliner Designer ist bekannt für seine intelligenten Raumsparlösungen. Sein für Müller Möbelwerkstätten entwickelter Flatmate etwa ist mit seinen 0,9 qm Grundfläche der wohl kleinste voll ausgestattete Sekretär überhaupt.

Flexibel, multifunktional, digital: das Möbel der Zukunft

Waren Raumspartricks wie das Schrankbett oder das Drehkarussell für Töpfe früher nur in Kinderzimmer und Küche zu finden, wird jetzt die komplette Wohnung auf bisher unerschlossene Weiten erforscht: Ob Apothekerschrank oder klappbarer Frisiertisch für das Badezimmer, zusammenklappbares Komfortbett oder platzoptimierter Kleiderschrank – alle Register werden gezogen. Dabei werden die mechanischen Bewegungsabläufe vielfach durch Motoren unterstützt und somit per App oder Sprachsteuerung bedienbar gemacht. Im Zuge dessen werden Oberschränke auf Zuruf automatisch geöffnet oder von der Decke auf eine komfortable Höhe befördert. So wird selbst der schmalste Flur zum Home-Office, der kleinste Raum zum multifunktionalen Wohn-/Ess- und Arbeitszimmer oder die Raumnische zum Schlafzimmer.

In einer schrumpfenden Welt haben Raumsparkonzepte Konjunktur

Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone
Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone

Eine besonderen Türanlage lässt je nach Bedarf den Bewegungsraum des Flures entweder zum Bad oder zur Ankleide gehören. Illustration: Trendfilter, Koelnmesse

Auch Tiny Spaces lassen sich barrierefrei gestalten. Illustration: Trendfilter, Koelnmesse

Drei Viertel der Deutschen leben bereits in Städten – Tendenz langsam steigend. Dabei entwickeln sich einzelne Zentren wie Leipzig und Frankfurt so dynamisch, dass die Stadtentwickler kaum mitkommen und über Wohnungsmangel klagen. Gleichwohl steht Deutschland mit seinem Urbanisierungsgrad von rund 77,3 % (2018) immer noch „nur“ im statistischen Mittelfeld Europas (75,7%). In Frankreich (80,4%), Spanien (80,3%) und Großbritannien (83,3%) liegt der Anteil bei gut 80%, und über die nordeuropäischen Länder (Finnland, 85,4% – Schweden 87,4% und Dänemark 87,8%) bis hinauf zu den Benelux-Staaten steigt der Anteil der in Städten lebenden Bevölkerung auf satte 98% (Belgien). Am unteren Rand liegen Rumänien (54%), Österreich (58,3%) oder Polen (60,1%). Weltweit hat Nordamerika den höchsten Urbanisierungsgrad (82,2%), gefolgt von Mittel- und Südamerika (80,7%). Auch wenn die Bewohner Asiens (49,5) und Afrikas (42,5) noch mehrheitlich in außerstädtischen Regionen leben, steigt hier der Zuzug in die Städte geradezu sprunghaft an – ein Zukunftsmarkt also auch hier für kompakte Möbelkonzepte für urbanes Wohnen? (Quellen: Statista und Vereinte Nationen)

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird es jedenfalls schon 2030 weltweit 43 Megastädte geben, und bis 2050 werden über 70% der Weltbevölkerung im urbanen Raum leben. Hinzu kommt: Die Weltbevölkerung wächst – die Erde nicht. Auch in Deutschland werden laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung in 40 Jahren ungefähr 83% der Menschen in Ballungszentren wohnen.

Und damit führt kein Weg dran vorbei: Der Wohnraum pro Person wird knapper. Mehr Singles (junge und alte), mehr Alleinerziehende, mehr Familien müssen oder wollen in immer kleiner werdenden Stadtwohnungen klarkommen. Und nicht nur Studenten, auch alleinstehende Besserverdiener wohnen gern zentral und genießen die Infrastruktur an Arbeit, sozialen Netzwerken, Co-Working-Spaces, Gastronomie, Entertainment und Kultur.

Erfolgskonzept der Skandinavier: Mehr Lifestyle auf weniger Raum

Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone
Urban Living: Mikrowohnen in der Komfortzone

Der Gemeinschaftsbereich vermischt verschiedene Funktionen in den Möbeln und der Einrichtung. So sind etwa Tische Esstisch, Arbeitstisch und Freizeittisch gleichzeitig. Illustration: Trendfilter, Koelnmesse

Akustik ist ein wichtiges Thema in einem Co-Joining-Space. Raumtrennelemente bilden Zonen und schaffen ruhigere Ecken. Illustration: Trendfilter, Koelnmesse

Tatsächlich ist schon seit ein paar Jahren ein deutlicher Trend zu kleineren Solitärmöbeln zu beobachten. Gerade die skandinavischen Möbelmarken zeigen vermehrt Cocktail- statt großer Lounge-Sessel, intime Zweisitzer statt XXL-Sofas und bescheiden dimensionierte Arbeitstische auf zierlichen Füßen. Nicht nur eine Frage der Ästhetik, denn der in der skandinavischen Designkultur angelegte Pragmatismus passt einfach in die Zeit. Vielleicht sind auch deshalb ihre Möbel und Lifestyle-Konzepte derzeit so angesagt. Denn sie verknüpfen das Notwendige mit dem Angenehmen und geben dem Gebot der Reduktion einen gemütlichen Anstrich.

Urbanisierungstrend, demographischer Wandel und die zeitgleich durchschlagende Digitalisierung verstärken sich gegenseitig in ihrem Einfluss auf unsere Wohnkultur, die sich in den nächsten Dekaden wohl nachhaltig verändern wird. Mit vielfältigen Konzepten und multifunktionalen Produkten, die Raum und Möbel enger als Einheit definieren werden.