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Digitale Räume

Wie kann die Möbelbranche vom Metaverse profitieren?

Blockchain, NFT, Metaverse: Die Euphorie um die neuen Technologien ist groß und die damit verbundenen digitalen Geschäftsmodelle wachsen rasant. Während digitale und reale Welt immer mehr miteinander verschmelzen, stellt sich eine Frage: Was ist dran an dem Hype um die virtuellen Räume? Wir haben mit Metaverse-Experten Tim Frank über das Potenzial vom Paralleluniversum für die Einrichtungsbranche gesprochen.

Virtuelles Cafe in Pastellfarben

Vom Web 3.0 und Interior Design im Metaverse

Metaverse ist das Buzzword der Tech-Szene. Doch was genau verbirgt sich eigentlich dahinter? Kurz gesagt handelt es sich um ein Universum im Internet jenseits des realen Universums. Ein kollektiver Raum, der die physische Realität virtuell erweitert. Die ursprüngliche Idee des Internets, Informationen dezentral für alle zugänglich zu machen, ist durch Giganten wie Google, Facebook und Amazon fast verloren gegangen. Sie dominieren den Markt. Das Metaverse bietet jetzt erstmals die Möglichkeit, den Big Playern ihre Macht- und Monopolstellung wieder etwas zu nehmen. Wir haben mit Tim Frank über das immense Potenzial dieser neuen Technologie gesprochen. Mit seiner Agentur Vrtual X hat er sich 2017 auf Virtual Reality , Augmented Reality und 360°-Erlebnisse spezialisiert.

Wie wird aus dem Metaverse ein digitales Geschäftsmodell für die Einrichtungsbranche? Wie funktioniert Interior Design in virtuellen Räumen? Und warum lohnt sich der Schritt in Richtung digitales Design gerade jetzt? Metaverse-Experte Tim Frank kennt die Antworten.

Avatar von Tim Frank

So könnte die Zukunft aussehen: Metaverse-Experte Tim Frank ist schon jetzt als Avatar unterwegs und hat das Potenzial des virtuellen Universums früh erkannt. (Foto: Tim Frank)

Das Metaverse eröffnet einen neuen Absatzmarkt – hundertprozentig.

Tim Frank
Gründer VRtual X

Was sind die Vorteile dieser Technologie für die Einrichtungsbranche? 40

Menschen arbeiten durch Videokonferenzen immer mehr in digitalen Räumen. Aber virtuelle Konferenzen sind ermüdend – und verglichen mit einem echten Meeting unpersönlich. Eine Videokonferenz ist eine Kommunikation vis-a-vis, bei der alle Geräusche aus einer Richtung kommen.

Ein Treffen mit Avataren hingegen ist der realen Welt deutlich näher – einfach durch die Möglichkeit, sich dreidimensional bewegen zu können. Wenn alle Teilnehmenden in einem digitalen, dreidimensionalen Raum zusammenkommen und analog zur realen Welt gemeinsam an einem Tisch sitzen, fühlt sich das an wie in einem echten Konferenzraum. Die Kommunikation findet nicht mehr nur frontal statt, sondern in einem Radius um mich herum. Auch Gruppen können in virtuellen Räumen gebildet werden. Das heißt, wir werden nicht nur in Spielen, sondern auch in der Arbeit und im privaten Leben immer mehr Zeit im Metaverse verbringen.

Die Analysefirma Gartner prognostizieren, dass bis 2026 etwa 25 Prozent der Menschheit für mindestens eine Stunde täglich das Metaverse benutzen wird. Das ist viel Zeit und ein durchaus realistisches Szenario. Im Umkehrschluss bedeutet das: Umso schöner meine virtuelle Umgebung ist, desto länger werde ich mich darin aufhalten. Und je länger ich mich darin aufhalte, desto wohnlicher möchte ich es gestalten. Das heißt, das Metaverse muss wohnlich eingerichtet werden. Genau das, macht das Metaverse so interessant für die Einrichtungsbranche. Wenn namenhafte Designer dort ihre Produkte anbieten, eröffnet sich mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit ein neuer Absatzmarkt.

Für wen könnten erlebbare virtuelle Räume interessant sein? Nur für Big Player oder auch für kleinere Designerinnen und Designer?

Möbel werden bereits jetzt komplett am Computer designt. Diese Designs sind schon eine digitale Version, die man für virtuelle Räume im Metaverse nutzen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich ein kleiner, eigenständiger Designer bin, der Spezialprodukte macht oder ob ich zu einem Giganten gehöre: Die Daten kommen aus demselben Programm und haben dieselbe Basis und können ganz einfach für Metaverseprogramme weiterbenutzt werden. Insofern bedarf es technisch gesehen nicht mehr als einer Fortbildung beziehungsweise das nötige Know-how die Designs in Metaverse zu bringen. Die Einstiegshürde ist hier sehr niedrig.

Gibt es bereits spannende Beispiele von Unternehmen, die auf digitale Räume und vielleicht auch schon auf NFTs und das Metaverse setzen?

Vor allem die Modebranche ist hier Vorreiter. Wenn ich eine Empfehlung für die Einrichtungsbranche im Metaverse geben kann, dann ist es, einen Blick Richtung Fashion-Industrie zu werfen. Sie stattet Avatare aus , während die Möbelbranche virtuelle Räume ausstatten kann, in denen die Avatare unterwegs sind. Virtuelle Räume, die frei konfigurierbar sind, sind der nächste Schritt. Wer in der Einrichtungsbranche den Trend also bis hierhin nicht mitgemacht hat, muss keine Angst haben, dass der Hype bald vorbei ist. Wichtig ist, sich jetzt damit zu beschäftigen. So schaffen Designer und Unternehmen es, sich frühzeitig im Metaverse zu etablieren.

Viel passiert auch im Bereich Bier. Zum Beispiel hat Miller Lite im Metaverse eine komplette Bar nachgebaut. Wie im realen Leben auch, kann man sich dort mit Freunden treffen. Der Clou daran: Die Bar wurde pünktlich zum Superbowl eröffnet – inklusive der Exklusivrechte, den Superbowl ins Metaverse zu streamen. Wer das Sportevent verfolgen wollte, hat sich mit seinem Avatar eingeloggt und mit Freunden in der Miller Lite Bar getroffen. Natürlich hat die Biermarke die virtuelle Übertragung genutzt, um auch Werbung für sich zu schalten.

Auch McDonalds meldet eine Vielzahl an Patente an, weil sie das McCafé ins Metaverse bringen wollen. Chipotle hat schon Filialen im Metaverse. Über das Programm lassen sich Wraps kaufen, die dann im realen Leben geliefert werden. Aber auch europäische Marken wie Kaufland sind in den Programmen unterwegs. Es ist beeindruckend und kaum greifbar wie viele Unternehmen das Metaverse für sich entdecken und nutzen.

Wie kann die Einrichtungsbranche das Metaverse für sich nutzen?

Um den Trend nicht zu verpassen, sollte sich die Einrichtungsbranche jetzt damit auseinandersetzen. Noch sind wir an einem Punkt, an dem der Markt nicht überlaufen ist und die Möglichkeit besteht, sich im Metaverse frühzeitig zu positionieren. Für Möbelhersteller und Designer ist das besonders spannend.

Die Art, wie wir Wohnungen einrichten wird in Zukunft vor allem über Virtual Reality Anwendungen passieren. Immer mehr Menschen besitzen VR-Brillen und nutzen diese, um Möbelstücke zuhause maßstabsgetreu im Raum zu platzieren. Jegliche Form von Einrichtung wird so erlebbar gemacht. Kundinnen und Kunden können sich virtuell im neu eingerichtet Zimmer bewegen und direkt testen, ob die Möbel passen. Denkbar ist hier auch die Verbindung aus Metaverse und realer Welt durch eine direkte Kaufoption. So werden virtuelle Räume dann in die reale Welt übersetzt.

Werden wir in Zukunft komplett auf vergleichbare physische Orte verzichten können?

Bei vielen Menschen herrscht die Angst, dass wir uns in Zukunft nur noch in der digitalen Welt bewegen werden. Dass das nicht der Fall sein wird, hat uns die Vergangenheit gezeigt. Es wird auch in Zukunft echte Festivals, Messen und Veranstaltung geben. Das können und wollen wir alle nicht durch digitale Alternativen ersetzen. Aber die digitale Komponente wird immer größer und relevanter werden, bis reale und virtuelle Welten ausgeglichen sind. Das eine wird das andere niemals ersetzen – im Gegenteil. Beide Welten werden wachsen und parallel bestehen. Deswegen ist der Name „Metaverse“ auch so passend. Denn Meta bedeutet so viel wie dahinter, darüber, dazwischen. Das Metaverse vergrößert unsere Welt. Dadurch eröffnen sich ganz neue Chancen. Wenn zum Beispiel ein Event oder Ähnliches in beiden Welten parallel stattfindet, ist es für deutlich mehr Menschen zugänglich.

In Momenten technischen Fortschritts tritt bei Unternehmen oft die Angst vor dem Neuen auf. Es wird lieber schlecht geredet und als kurzweiliger Trend abgestempelt. Elektroautos sind ein Paradebeispiel dafür. Jeder große Autohersteller hat bereits vor einigen Jahren mit Elektromotoren experimentiert. Die Produkte waren aber häufig nicht durchdacht und meiner Meinung nach bewusst so schlecht designt, dass die Kundinnen und Kunden nicht auf diesen Trend angesprungen sind. Und schon hatten viele Unternehmen eine Argumentationsgrundlage, um sich dem Fortschritt zu verwehren. Diese Einstellung funktioniert heutzutage nicht mehr, dafür ist unsere Welt zu global und digital. Unternehmen müssen sich mit destruktiven Geschäftsmodellen auseinandersetzen. Dass sich das lohnt, lässt sich ebenfalls am Szenario der Elektroautos zeigen. Tesla verkauft mittlerweile mehr Wagen des Model 3 als VW seinen Klassiker, den Golf. Nur weil VW diesen Markt nicht besetzen wollte.

Im Metaverse haben wir das gleiche Szenario. Wer sich jetzt digital transformieren will, ob kleines oder großes Unternehmen, muss es als Investment in die Zukunft betrachten.

Wir bedanken uns bei Tim Frank für das spannende Interview und die aufschlussreichen Insights. Sie möchten regelmäßig über die neuesten Trends der Branche informiert werden? Abonnieren Sie einfach unseren magazine by imm cologne Newsletter und bleiben Sie up-to-date.